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Innenohrschwerhörigkeit

Definition

Bei der Innenohrschwerhörigkeit handelt es sich um eine Hörstörung, die durch eine Funktionsstörung im Bereich des Innenohres hervorgerufen wird.

Ursachen

Verschiedene Ursachen können zu einem Funktionsverlust des Innenohres führen.

Die häufigste Ursache ist die Altersschwerhörigkeit. Oft setzt diese bereits im 5. bis 6. Lebensjahrzehnt mit einem Nachlassen des Gehörs im Bereich der hohen Töne ein. Später können alle Frequenzbereiche betroffen sein.

Bestimmte Krankheiten können die Ausbildung einer Innenohrscherhörigkeit begünstigen. Hierzu zählen Stoffwechselerkrankungen und Durchblutungsstörungen, z. B. Nieren- und Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Arteriosklerose, Hörsturz sowie eine Reihe von Immunerkrankungen.

Eine weitere sehr häufige Ursache ist Lärm. Die Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste anerkannte Berufskrankheit in der BRD. Durch eine tägliche sechs- bis achtstündige Lärmbelastung mit über 85 dB (A) kann über Jahre eine beidseitige Innenohrschwerhörigkeit entstehen. Häufig hiervon betroffen sind Metallarbeiter oder Bauarbeiter. Aber auch Freizeitlärm, z. B. durch laute Musik oder Sport- schießen, kommt als Ursache in Frage.

Symptome

Der Hörverlust führt zu einem eingeschränkten Sprachverständnis. Dies wird von den Betroffenen zunächst bemerkt, wenn bei Gesprächen Umgebungsgeräusche vorhanden sind. Es fällt zunehmend schwerer sich auf den Gesprächspartner zu konzentrieren. Oftmals meinen die Betroffenen, dass der Gesprächspartner undeutlich spricht. Wegen des eingeschränkten Sprachverständnisses können die meisten höhergradig Schwerhörigen an keiner Konversation mehr teilnehmen. Evtl. treten zusätzlich Ohrgeräusche auf.

Bei älteren Menschen, die an Schwerhörigkeit leiden, besteht die Gefahr sozialer und psychischer Veränderungen: Zunehmende gesellschaftliche Isolierung, depressive Verstimmung, Misstrauen und Angstzustände werden häufig beobachtet. Aus diesen Gründen muss möglichst frühzeitig etwas gegen Altersschwerhörigkeit getan werden, noch bevor die geistigen Fähigkeiten des Betroffenen merklich nachlassen.

Diagnose

Bei der Innenohrschwerhörigkeit stellt der HNO-Arzt die Diagnose anhand einer allgemeinen HNO-ärztlichen Spiegeluntersuchung sowie anhand verschiedener Hörtests (Audiometrie).

Impedanzaudiometrie: Die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells und der Gehörknöchelchenkette im Mittelohr sowie der Mittelohrdruck wird gemessen. Sie dient dem Ausschluss einer Störung der Mittelohrfunktion (Schallleitungshörstörung/Otosklerose).

Tonaudiometrie: In der Tonaudiometrie werden dem Patienten über Kopfhörer Sinustöne unterschiedlicher Frequenz in ansteigender Lautstärke angeboten. Sobald der Patient den Ton hört, teilt er dies mit. Als Ergebnis der Untersuchung erhält man ein Diagramm (Hörkurve) mit der Lautstärke auf der Ordinate (y-Achse) und der Frequenz auf der Abszisse (x-Achse). Werden Töne erst bei höheren Lautstärkewerten gehört, so weicht die Hörkurve dieser Person von der Normalkurve ab. Mit Hilfe dieser Hörkurve lässt sich eine Schwerhörigkeit in unterschiedliche Schweregrade einteilen.

Sprachaudiometrie. Die Sprachaudiometrie untersucht das Verständnis von Einsilbern und Zahlen bei vorgegebener Prüftonlautstärke.

Es existieren noch eine ganze Reihe weiterer Hörtests, die zur Abgrenzung der Innenohrschwerhörigkeit von anderen Arten der Schwerhörigkeit dienen.

Differenzialdiagnose

Weitere Formen der Schwerhörigkeit mit einem anderen Entstehungsort müssen abgegrenzt werden:

Mittelohrschwerhörigkeit: Die Störung liegt im Mittelohr oder äußeren Ohr (z.B. bei Paukenerguss, akute Otitis media). retrocochleäre (hinter der Schnecke gelegene) Hörstörungen: Schallleitungsschwerhörigkeit mit Schädigung zwischen Innenohr und Gehirn (z. B. bei Akustikusneurinom, ein gutartiger Tumor, der den Hörnerven komprimiert).

zentrale Hörstörungen: Ursache liegt in den Hirnstrukturen, meist finden sich hierbei gleichzeitig andere neurologische Veränderungen.

Therapie

Bei einer Innenohrschwerhörigkeit ist eine medikamentöse oder operative Therapie nicht möglich. Man vertritt heute die Ansicht, dass eine möglichst frühzeitige Hörgeräteversorgung anzustreben ist.

Das Tragen eines Hörgeräts bringt für den Schwerhörigen eine Reihe von Vorteilen mit sich, insbesondere wird das Sprachverständnis bei Unterhaltungen mit anderen Personen erleichtert. Die Betroffenen können mit dem Hörgerät Geräusche wahrnehmen, die sie lange Zeit nicht mehr hören konnten, z.B. Vogelgezwitscher, das Piepen des Weckers oder die Türglocke. Die Qualität von Hörgeräten wird dabei kontinuierlich verbessert.

Die neuesten Hörgeräte verwenden heute Digitaltechnologie. Diese Geräte verarbeiten die Schallsignale in winzigen Prozessoren, kleinen Computern gleich, und passen sich den Umgebungsverhältnissen selbstständig an. Sie sind in der Lage die menschliche Stimme von Störgeräuschen zu unterscheiden und zu verstärken. Sie besitzen Richtmikrofone, die einer besseren Fokussierung des Gehörs auf das Gegenüber dienen.

Die Versorgung mit Hörgeräten findet heute entweder auf dem klassischen Weg über ein Hörgeräte-Akustiker- Geschäft statt, oder neuerdings auch über den so genannten „verkürzten Versorgungsweg“ direkt durch den HNO- Arzt.

Prognose

Die Innenohrschwerhörigkeit kann über Jahre konstant sein oder sich kontinuierlich verschlechtern. Dies ist meist ein schleichender Prozess, der vom Betroffenen oft unbemerkt bleibt. Eine rechtzeitige Hörgeräteversorgung ist anzustreben. So kann das Hören in einer ausreichenden Qualität erhalten werden und die Hörstörung hat keine Auswirkung auf das Sozialverhalten.

Intubationsschaden

Definition

Ein Intubationsschaden ist ein Schaden am Kehlkopf, verursacht durch Intubation im Rahmen einer Vollnarkose.

Ursachen

Während einer Intubation, wie sie routinemäßig bei einer Narkose durchgeführt wird, kann es zu Schädigungen am Kehlkopf kommen. Diese können unmittelbar beim Einführen des Intubationstubus durch oberflächliche Schleimhautverletzungen (Schleimhautläsionen), Verletzung der Stimmlippen, Luxation des Aryknorpels (Aryluxation) oder Hämatome entstehen.

Häufiger sind Schäden, die durch Druck der Tubusmanschette (Cuff) oder des Beatmungsschlauchs auf die Schleimhaut verursacht werden. Dies tritt auf, wenn die Tubusmanschette an der falschen Position zu liegen kommt oder wenn sie mit zu hohem Druck gefüllt wird . Es kommt zu Schleimhauterosionen, evtl. mit Ulzerationen (Geschwürbildung) und freiliegendem Knorpel. In der Folge können sich Granulome (tumorös aussehende, fleischige Gebilde) oder eine Stenose (Verengung) ausbilden.

Das Risiko von Intubationsschäden ist besonders groß bei langzeitbeatmeten intubierten Patienten.

Symptome

Die Symptome bleiben während der Narkose unbemerkt. Bei direkten Kehlkopfverletzungen besteht nach dem Auf- wachen eine Heiserkeit und Schmerzen, selten eine Luftnot. Bei indirekten Schäden (Granulome/Stenosen) treten die Beschwerden erst Tage bis Wochen nach der Intubation auf. Es kommt zu Heiserkeit, selten auch zu Luftnot.

Diagnose

Der HNO-Arzt führt zunächst eine allgemeine Spiegeluntersuchung durch. Anschließend erfolgt die Beurteilung des Kehlkopfes mit dem Lupenlaryngoskop oder mittels transnasaler fiberoptischer Endoskopie.

Stenosen, die unterhalb der Stimmbandebene liegen, können oft erst in direkter Untersuchungstechnik mit dem starren Bronchoskop in Narkose festgestellt werden. Eine Stenose kann auch mittels einer Röntgenuntersuchung (konventionelle Tomografie) dargestellt werden.

Differenzialdiagnose

Polypen und andere tumoröse Neubildungen des Larynx sind ggf. histologisch abzugrenzen. Eine Aryluxation ist manchmal schwierig von einer Rekurrensparese (Lähmung des Stimmbandes aufgrund einer Verletzung der Stimmbandnerven) zu unterscheiden.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Störung. Bei Schleimhautverletzungen und Hämatomen kann zunächst abgewartet werden. Kam es zu einer Aryluxation, ist die Reposition in einem erneuten Eingriff (Stützlaryngoskopie) möglich.

Granulome und narbige Stenosen werden, wenn die Beschwerden es erforderlich machen, chirurgisch abgetragen. Bei Langzeitbeatmeten führt man einen Luftröhrenschnitt (Tracheostomaanlage) durch und führt den Tubus hierüber ein. Dadurch wird der Kehlkopf geschont.

Prognose

Die narbigen Stenosen sind oft schwierig zu behandeln. Bis zur gelungenen Beseitigung der Stenose müssen die Betroffenen oft einen Luftröhrenschnitt behalten. Die übrigen Störungen haben eine gute Prognose, gelegentlich bleibt eine Heiserkeit bestehen.

Jochbeinfraktur

Definition

Bei der Jochbeinfraktur handelt es sich um eine sog. Jochbein-Komplexfraktur. Dabei sind die Bruchenden gegeneinander verschoben (Dislokation), das Auge ist beeinträchtigt und die Kieferbewegung ist schmerzhaft eingeschränkt.

Ursachen

Durch direkte Gewalteinwirkung (z. B. Schlag ins Gesicht) bricht das Jochbein an seinen drei Fortsätzen (zum Stirnbein, Kiefer und Jochbogen) ab und verkippt durch den ständigen Zug des Kaumuskels (M. masseter).

SymptomeJochbeinfraktur

Durch die Jochbeinfraktur ist die Geometrie im Kiefergelenk verändert: Das Jochbein ist verkippt und die Kaubewegung ist schmerzhaft eingeschränkt. Dadurch, dass der knöcherne Boden der Augenhöhle (Orbitaboden) beteiligt ist, kommt es zu Doppelbildern. Eine Gefühlsstörung im Wangenbereich resultiert aus einer Verletzung des Gesichtsnervs (N. trigeminus) in seinem Verlauf im Orbitabo- den. Hinzu treten Schwellungen und Hämatome im Gesichtsbereich.

Diagnose

Zusätzlich zu den oben beschriebenen typischen Symptomen kann eine knöcherne Stufenbildung am unteren und seitlichen Orbitarand getastet werden. In der Computertomografie des Schädels (cCT) kann zusätzlich zu Frakturlinien und Dislokation (Verkippung) eine Verschattung innerhalb der Kieferhöhle festgestellt werden. Eine Mitbeurteilung der Verletzungen durch den Augenarzt und den Kieferchirurgen ist notwendig.

Differenzialdiagnose

Andere Frakturen des Mittelgesichts, z.B. die isolierte Jochbogenfraktur mit trichterförmiger Einziehung der Weichteile über dem Jochbogen oder eine isolierte Orbitabodenfraktur, sind abzugrenzen.

Therapie

Bei dislozierten Frakturen erfolgt die Behandlung operativ. Hierbei wird das verkippte Jochbein wieder in die ur- sprüngliche Position gebracht (reponiert). Kleine Titanplatten werden mit Schrauben an den Knochenfragmenten angebracht, damit diese sich nicht wieder gegeneinander verschieben können. Der eingebrochene Boden der Augenhöhle (Orbitaboden) wird unterfüttert, damit der Augapfel nicht in die Kieferhöhle abrutscht. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass Doppelbilder dauerhaft bestehen bleiben.

Zusätzlich werden abschwellende Nasentropfen gegeben, um die Belüftung der Nasennebenhöhlen zu gewährleisten. Evtl. wird ein Antibiotikum zur Entzündungsprophylaxe verabreicht. Der Patient darf sich nicht schneuzen.

Prognose

Die Verletzung heilt i.d.R. folgenlos aus. Bei nicht ausreichender Reposition können Doppelbilder bestehen bleiben. Ist der Gesichtsnerv in Mitleidenschaft gezogen, so können bleibende Gefühlsstörungen im Wangenbereich die Folge sein.

Labyrinthitis

Definition

Labyrinthitis ist eine Entzündung der Strukturen des Innenohres: Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan.

Ursachen

Eine Labyrinthitis kann entweder im Innenohr entstehen oder von außen auf das Innenohr übergreifen. Die Erreger können das Innenohr auf drei Wegen erreichen: über das Blut, über die Hirnhäute entlang des Hörnervs oder vom Mittelohr aus. Je nach Erregerart unterscheidet man eine virale und eine bakterielle Form der Erkrankung. Bakterielle Labyrinthitis. Sie entsteht z. B. auf dem Boden einer eitrigen Mittelohrentzündung (akute Otitis media), die auf das Innenohr übergreift oder durch Einbruch eines Cholesteatoms (chron. Otitis media) in das Labyrinth. Ist der Patient an einer bakteriellen Meningitis erkrankt, kann die Entzündung entlang des inneren Gehörgangs vom Gehirn zum Innenohr wandern. Seltener ist es, dass sich Erreger über den Blutweg (z. B. bei Tuberkulose oder Syphilis) im Innenohr absiedeln und so zu einer Labyrinthitis führen.

Virale Labyrinthitis. Sie tritt häufig im Zusammenhang mit einem Infekt der oberen Luftwege auf (z.B. durch Influenza-, Parainfluenza- oder Adenoviren). Es kann aber auch bei viraler Meningitis zu einer meningogenen Beteiligung des Innenohres kommen, besonders häufig bei Kleinkindern, die an einer Masern-,  Mumps- oder Parainfluenzameningitis erkrankt sind.

Symptome

Die Labyrinthitis hat folgende Symptome: Innenohrschwerhörigkeit bis zur Ertaubung, Schwindel, Ohrgeräusche, Übelkeit, Ohrenschmerzen.

Je nach Ursache können Fieber, Zeichen der Meningitis und ein Paukenerguss hinzukommen.

Differenzialdiagnose

Folgende Krankheiten müssen bei der Diagnose ausgeschlossen werden:

Zoster oticus (Reaktivierung von Varizella-Zoster-Viren mit Befall des Hör- und Gleichgewichtsnervs und/oder des Gesichtsnervs), Apoplex (→ Hirninfarkt),

Ruptur des runden Fensters.

Therapie

Je nach Ursache erhält der Patient hoch dosiert Antibiotika und/oder Kortison intravenös. I.d.R. wird eine durchblutungsfördernde Infusionsbehandlung wie beim Hörsturz durchgeführt. Zusätzlich wird ein Paukenerguss über einen Trommelfellschnitt entlastet. Die Einlage eines Röhrchens verhindert dabei, dass sich der Schnitt sofort wieder schließt.

Prognose

Bei raschem Therapiebeginn ist die Prognose i.d.R. gut. Gelegentlich bleiben jedoch Schäden zurück wie Hörverlust oder Gleichgewichtsstörungen.

Lagerungsschwindel

Definition

Der gutartige Lagerungsschwindel ist definiert als ein lageabhängiger Schwindel mit kurzen, rezidivierenden Drehschwindelattacken, die durch Kopflageveränderung auftreten. Er ist eine recht häufig auftretende Schwindelursache des Menschen.

Synonyme: benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, Canalolithiasis, BPPV (benign paroxysmal positioning Vertigo).

Ursachen

In den beiden Innenohren befindet sich jeweils ein Labyrinth (Gleichgewichtsorgan) mit je drei Bogengängen. Diese sind mit Endolymphe (Flüssigkeit) gefüllt und im rechten Winkel in den drei Ebenen des Raumes zueinander angeordnet. Man unterscheidet einen vorderen, einen hinteren und einen seitlichen Bogengang.

In die Bogengänge hinein ragen feine Sinneshärchen, die mit dem Gleichgewichtsnerven verbunden sind. Bei einer Bewegung des Kopfes kommt es zu einer Strömung der Endolymphe innerhalb des Bogenganges, wodurch die Sinneshärchen ausgelenkt werden. Die hierdurch aus- gelöste Erregung wird zum Gehirn fortgeleitet und führt zu einer Drehempfindung.

Als Verursacher des Lagerungsschwindels nimmt man kleine Otolithen (Kalkkristalle) an, die sich spontan degenerativ oder posttraumatisch an einer anderen Stelle des Innenohrs gelöst haben. Sie bewegen sich nun frei in der Endolymphe. Bei bestimmten Veränderungen der Lage des Kopfes geraten die Kristalle in Bewegung. Diese führen zu einer Erregung der Sinneshärchen, v. a. im Bereich des hinteren Bogenganges, und lösen so einen Drehschwindelanfall aus.

Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Manchmal geht der Erkrankung ein Trauma oder eine Ohroperation voraus.

Symptome

Meistens beginnen die Symptome während des Schlafens nach Lageveränderung zur Seite. Mit einer Verzögerung von einigen Sekunden kommt es zu Drehschwindel, häufig in Verbindung mit Übelkeit, selten Erbrechen. Der Anfall klingt i.d.R. nach etwa 30 Sek. wieder ab und tritt bei entsprechender Lageänderung erneut auf. Eine Hörminderung oder Ohrgeräusche treten nicht auf.

Im weiteren Verlauf ändern sich die Symptome. Die heftigen Schwindelanfälle lassen nach. Es besteht häufig noch ein Unsicherheitsgefühl („wie wenn man auf Watte läuft“) und ein kurz dauernder Schwindel lässt sich durch schnelle Kopfbewegungen auslösen. Manche Patienten entwickeln schnell ein Vermeidungsverhalten, um den als sehr unangenehm empfundenen Schwindel nicht mehr auszulösen.

Diagnose

Wesentliche Hinweise auf die Erkrankung ergeben sich meist bereits aus der typischen Anamnese. Um andere Schwindelursachen auszuschließen, erfolgt eine Untersuchung beim HNO-Arzt.

Inspektion und Hörprüfung. Der HNO-Arzt inspiziert zu- nächst die Ohren mit dem Ohrmikroskop und führt eine Hörprüfung (Tonaudiometrie, Sprachaudiometrie) durch. Gleichgewichtsuntersuchung. Bei der speziellen Untersuchung des Gleichgewichts, erkennt der Arzt durch Aufsetzen der Frenzel-Brille (Leuchtbrille, mit 15 Dioptrien starken Gläsern) auffällige Augenbewegungen (Nystagmen) während des Schwindelanfalls.

 

Differenzialdiagnose

Weitere häufige Schwindelursachen sind: akuter Ausfall eines peripheren Gleichgewichtsorgans, → Morbus Ménière, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, z.B. im Hirnstammm oder Kleinhirn, → Multiple Sklerose, vertebragener (von der Wirbelsäule ausgehender) Schwindel, z. B. bei HWS-Syndrom, →Tumoren, z.B. Akustikusneurinom und Kleinhirntumoren (→ Gehirntumor).

Therapie

Eine medikamentöse Therapie ist nicht indiziert, da durch sie meist der Gleichgewichtssinn zentral gedämpft und so der Heilungsprozess eher verzögert wird.

Günstig wirkt sich ein spezielles Schwindeltraining aus, z. B. Lagerungsübung nach Brandt und Daroff, Lagerungs- übung nach Epley und das Semont-Manöver.

Prognose

Die Erkrankung heilt i.d.R. in Tagen bis Wochen spontan aus. Rezidive treten gelegentlich auf.

Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs)

Definition

Larynxcarzinom

Das Larynxkarzinom ist eine bösartige Geschwulst im Kehlkopf. In über 80 % der Fälle sind davon Männer betroffen.

Synonym: Kehlkopfkrebs.

Ursachen

Erhöhter Nikotin- und Alkoholkonsum gilt als Hauptursache des Larynxkarzinoms. Aber auch schädliche Stoffe aus der Umwelt (z. B. Asbest) erhöhen das Risiko, an Kehlkopf- krebs zu erkranken.

Symptome

Da bereits kleine Tumoren im Bereich der Stimmbänder zu einer persistierenden Heiserkeit führen, werden die Larynxkarzinome häufig frühzeitig erkannt. Jeder Patient, bei dem eine Heiserkeit länger als 2 bis 3 Wochen anhält, sollte von einem HNO-Arzt daraufhin untersucht werden.

Bei supraglottisch und im Hypopharynx lokalisierten Tumoren dagegen tritt die Heiserkeit erst im späteren Sta- dium auf, wenn das Krebsgewebe sich bereits bis zu den Stimmlippen ausgebreitet hat. Weitere Symptome, bei denen ein Kehlkopfkrebs immer ausgeschlossen werden sollte, sind: Fremdkörpergefühl im Hals, ungeklärte Schluckstörung, Atemnot, chronisch rezidivierender Husten, unklare Hals- und Ohrenschmerzen, ungewollter Gewichtsverlust, Raumforderung im Bereich des Halses.

Diagnose

In der Anamnese erfragt der Arzt die genaue Art der Beschwerden und ermittelt mögliche Risikofaktoren, z.B. Rauchen, Alkoholkonsum oder bestehende Grunderkrankungen.

Bei der äußeren Untersuchung tastet er den Hals nach evtl. vergrößerten Lymphknoten oder anatomischen Ver- änderungen ab. Mit einer Ultraschall-Untersuchung kön-

nen verdächtige Lymphknoten bereits unter 10 Millimeter Größe nachgewiesen werden.

Der HNO-Arzt untersucht die Stimmbänder entweder indirekt mit Hilfe eines Kehlkopfspiegels oder direkt mit dem Lupenlaryngoskop über die Mundhöhle. Ist dies nicht möglich, z.B. weil der Patient trotz Oberflächenanästhesie einen Würgereflex hat, kann der Arzt mit einem flexiblen Endoskop über die Nase und den Rachenraum den Kehlkopf einsehen.

Zur Planung der Therapie muss die Ausdehnung des Tu- mors genau bestimmt und eine Gewebeprobe entnom- men werden. Diese Maßnahmen erfolgen unter Narkose. Kehlkopf, Luftröhre und Speiseröhre werden als benach- barte Regionen mit untersucht. Evtl. wird eine Computer- tomografie oder eine Kernspintomografie durchgeführt.

Differenzialdiagnose

Vor allem im Frühstadium kann es schwierig sein, den Kehlkopfkrebs von einer Entzündung oder einem gutartigen Tumor zu unterscheiden. Dann ist eine Probebiopsie und eine histologische Untersuchung erforderlich.

Therapie

Die Art der Behandlung ist abhängig von der Größe und der Lokalisation des Tumors, aber auch vom Allgemeinzustand

Morbus Ménière

Definition

Beim Morbus Ménière handelt sich um eine Erkrankung des Innenohres, die typischerweise mit den drei Symptomen Ohrgeräusch, Hörminderung und Schwindel anfallsartig auftritt.

Synonym: Ménière-Krankheit.

Ursachen

Im knöchernen Felsenbein eingebettet liegt das Innenohr. Es besteht aus der Schnecke (Cochlea), die für das Hören zuständig ist, und dem sog. Labyrinth, das für den Gleichgewichtssinn sorgt. Innerhalb dieser Strukturen befinden sich Räume, die durch Membranen voneinander getrennt und mit Flüssigkeiten, der sog. Endolymphe und der Perilymphe, ausgefüllt sind. Beide Flüssigkeiten unterscheiden sich in ihrer Konzentration an Elektrolyten (geladene Teilchen). Die Endolymphe ist reich an Kalium, die Perilymphe ist kaliumarm. Sie besitzen also ein unterschiedliches elektrisches Potenzial.

Die genaue Ursache, die zur Auslösung des M. Ménière führt, ist nicht geklärt. Man nimmt an, dass es durch eine Resorptionsstörung der Endolymphe im sog. Saccus endolymphaticus zu einem Überdruck im Endolymphraum kommt. Dies führt zum Einreißen der endolymphatischen Membran (Reissnersche Membran) und zur Vermischung von Endolymphe und Perilymphe. Durch die plötzliche Vermischung beider Flüssigkeiten kommt es zu einer Potenzialveränderung, was letztlich zu einer Erregung der Nervenzellen im Hör- und Gleichgewichtsorgan führt.

Symptome

Typisch für die Erkrankung ist die Symptomentrias aus: Schwindel, Hörstörung, Tinnitus.

Meist treten die Beschwerden beim M. Ménière anfallsartig auf. Oftmals kündigen sich die Beschwerden mit einer Art Aura an. D.h. der Patient verspürt zunächst ein Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr oder evtl. eine Verstärkung oder Veränderung vorbestehender Ohrgeräusche. Durch den starken Drehschwindel, der oft mit Übelkeit und Erbrechen einhergeht, befindet sich der Betroffene in einer dramatischen, hilflosen Situation. Regelmäßig werden die Patienten bei solch einem Anfall mit dem Krankenwagen in eine Klinik gebracht. Gleichzeitig spürt der Patient i.d.R. eine Hörminderung, Ohrgeräusche und einen Druck auf dem betroffenen Ohr.

Die akuten Beschwerden klingen meist nach einigen Stunden wieder ab. Es kann für einige Tage noch ein Schwankschwindel oder ein Unsicherheitsgefühl bei den Betroffenen bestehen. Die Anfälle können sich nach Tagen oder Wochen wiederholen. Während die Symptome im Anfangsstadium der Erkrankung zwischen den Anfällen noch reversibel sind, kann es im weiteren Verlauf und bei Häufung der Anfälle zu einer dauerhaften Schädigung des Innenohres kommen. Diese zeigt sich i.d.R. in einer Hörstörung, die bis zur Ertaubung fortschreiten kann.

DiagnoseMeniere

Während des Anfalls ist der Patient oft in einem schlechten Zustand, sodass die fachärztlichen Befunde erst nach Abklingen der akuten Beschwerden erhoben werden können. Während des Drehschwindelanfalls kann der Arzt unter der Frenzel-Brille einen horizontalen Nystagmus feststellen. Dabei handelt es sich um schnelle, zuckende Augenbewegungen, die durch eine Reizung des Gleichgewichtsorgans entstehen. Der Nystagmus ist anfangs als sog. Ausfallnystagmus zur gesunden Seite hin gerichtet und kann sich im weiteren Verlauf zur Gegenseite als sog. Erholungsnystagmus zeigen.

In einer Hörprüfung (Audiometrie) wird der Arzt eine Hörstörung feststellen können.

Bei der Untersuchung des Gleichgewichtssinns (Vestibularisdiagnostik) kann sich bei der thermischen Reizung

Differenzialdiagnose

Bei der Diagnose Morbus Ménière handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose. Andere Erkrankungen, die mit ähnli- chen Symptomen einhergehen, sind auszuschließen:

Akustikusneurinom (gutartiger Tumor im Kleinhirn), Hörsturz, akuter Ausfall des Gleichgewichtsorgans, Apoplex (Hirninfarkt), Cholesteatom.

Therapie

Eine ursächliche Behandlung des M. Ménière existiert nicht. Im akuten Anfall werden die Patienten i.d.R. stationär aufgenommen. Es werden Antivertiginosa (z.B. Vomex) zur Linderung der Akutbeschwerden verabreicht. Zum Ausgleich eines Flüssigkeitsverlusts durch eingeschränkte Nahrungsaufnahme und/oder Erbrechen werden Infusionen gegeben.

Zur Verhinderung von Anfällen wird Betahistin (Aequamen) eingesetzt. Eine salzarme Diät und Gabe von Diuretika scheinen ebenfalls einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung zu haben.

In schweren Fällen greift man zur operativen Behandlung, deren Ziel die dauerhafte Ausschaltung des Gleichgewichtsorgans ist. Über einen Trommelfellschnitt (Parazentese) wird ein Drainageröhrchen in das Mittelohr eingeführt. Darüber werden dem Patienten mit einer Kanüle Medikamente in das Mittelohr geträufelt. Diese Medikamente (Aminoglykosid Antibiotika/Gentamycin) haben eine schädigende Wirkung auf das Innenohr. Sie werden in so niedriger Dosierung verabreicht, dass es möglichst nur zu einem Ausfall des Gleichgewichtssinns kommt. Da es bei dieser Behandlung ebenso zu einer Schädigung der Cochlea mit Ertaubung des Ohres kommen kann, ist die Indikation besonders kritisch zu stellen.

Andere operative Verfahren sind die Durchtrennung des Gleichgewichtsnervs oder Eröffnung des Innenohrs und Ausschaltung des Gleichgewichtsorgans. Sie werden aber eher selten angewandt.

Prognose

Der Verlauf der Erkrankung und die Häufigkeit und Intensität der Anfälle sind nicht vorhersehbar. Bei vielen Patienten führt die Krankheit im Laufe von Jahren zu einer Schwerhörigkeit.

Nasenbluten (Epistaxis)

Definition

Beim Nasenbluten handelt es sich um ein relativ häufig auftretendes Symptom, dem meist eine harmlose Ursache zugrunde liegt.

Synonym: Epistaxis.

Ursachen

In etwa 80% der Fälle blutet es aus einem Gefäß im Bereich des vorderen Abschnittes der Nasenscheidewand (Locus Kiesselbach). In diesem Bereich treten Blutgefäße aus der Tiefe der Nasenscheidewand zur Oberfläche und biegen nahezu im rechten Winkel ab. Sie sind in ihrem Verlauf knapp unter der Schleimhautoberfläche besonders exponiert und verletzlich. Begünstigt werden Blutungen in diesem Bereich durch Verkrümmungen der Nasenscheidewand, die über eine vermehrte Verwirbelung der Atemluft zum Austrocknen und zu Verkrustungen der Schleimhaut beitragen.

Seltener liegt die Blutungsquelle im hinteren oder oberen Nasenabschnitt oder im Bereich der Nasennebenhöhlen.

Bestimmte systemische Erkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie) oder Blutgerinnungsstörungen erhöhen das Risiko an Nasenbluten zu erkranken.

Symptome

Es kann sowohl nach vorne aus der Nase heraus oder auch in den Nasenrachen bluten. Die Blutung tritt meist plötzlich auf, z.B. bei körperlicher Anstrengung oder beim Schnäuzen.

Diagnose

Bei der Anamnese werden Erkrankungen wie Bluthochdruck, Blutgerinnungsstörungen und Einnahme von Medikamenten mit Einfluss auf die Blutgerinnung wie Marcumar oder ASS abgefragt. Wichtig ist auch zu erfahren, wie lange die Blutung bereits anhält, um den entstandenen Blutverlust einschätzen zu können.

Der HNO-Arzt untersucht die Nase mit dem Nasenspekulum oder genauer mit dem Endoskop nach vorherigem Abschwellen der Schleimhaut und Oberflächenanästhesie und versucht so die Blutungsquelle zu orten.

Der Blutdruck wird gemessen und eine Blutentnahme erfolgt zur Bestimmung von Hämoglobin (Hb) und Hämatokrit sowie der Blutgerinnungsparameter.

In einzelnen Fällen kann eine Computertomografie der Nase und der Nebenhöhlen sinnvoll sein, um chronische Nasennebenhöhlenentzündungen (chronische Sinusitis) oder Tumoren auszuschließen. In einer Angiografie (Kontrastmitteluntersuchung der Blutgefäße) kann festgestellt werden, welches Blutgefäß betroffen ist.

Differenzialdiagnose

Erkrankungen, die zu Nasenbluten führen können, müssen ausgeschlossen werden:

  • Tumoren der Nase und der Nasennebenhöhlen
  • Gefäßerkrankungen (M. Osler)

Therapie

Der Betroffene soll den Kopf nach vorne neigen, damit das Blut nicht verschluckt wird. Durch das Auflegen eines feuchten, kalten Waschlappens in den Nacken verengen sich die Blutgefäße und oftmals stoppt die Blutung von al- leine. Bei stärkerem Nasenbluten, oder wenn die Blutung von alleine nicht zum Stillstand kommt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wenn der HNO-Arzt das verletzte Gefäß findet, kann er die Blutungsquelle elektrisch (bipolare Koagulation) oder chemisch (Silbernitrat) veröden. Wenn dies nicht gelingt, so wird eine Tamponade in die Nase eingebracht um die Blutung zu stoppen. Manchmal reicht die Tamponade der vorderen Nasenabschnitte nicht aus, oder sie ist wegen einer ausgeprägten Verkrümmung der Nasenscheidewand nicht möglich; dann wird eine zusätzliche hintere Nasentamponade vom Nasenrachenraum aus (Bellocq-Tamponade) erforderlich. Die Tamponade muss für mindestens 2 – 3 Tage in der Nase verbleiben und ist für den Patienten sehr unangenehm. Wenn die Blutung mittels Tamponade nicht stillbar ist, so ist in seltenen Fällen eine Operation indiziert. Hierbei werden die zuführenden Blutgefäße unterbunden.Nasenbluten

Bei systemischen Krankheiten wie Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen sind diese entsprechend mit zu behandeln. Die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente sollte vorübergehend eingestellt werden, evtl. kann die Blutgerinnung durch Gabe von Gerinnungsfaktoren kurzfristig wieder verbessert werden.

Wenn es durch großen Blutverlust zu einem Volumenmangel oder einer Anämie gekommen ist, werden dem Patienten Infusionen oder Bluttransfusionen verabreicht.

Prognose

I.d.R. kann die Blutung gestoppt werden und der Patient ist geheilt. Wenn systemische Erkrankungen die Blutungs- neigung erhöhen, so sind diese mit zu behandeln, um rezidivierende Ereignisse zu vermeiden. Unstillbares Nasenbluten kann aber in einzelnen Fällen auch sehr schwierig in den Griff zu bekommen sein und zu potenziell lebensbedrohlichen Situationen führen.

Ohruntersuchung

Zur Untersuchung der Ohren gehört eine auf die Funktion des Organs abgestimmte Befragung (Anamnese) des Patienten genauso wie die sich anschließenden körperlichen und teilweise apparativen Untersuchungen. In der Anamnese wird nach evtl. bestehenden Schmerzen, Ausfluss, Hörminderungen, Ohrgeräuschen, Schwindelbeschwerden, Ohrerkrankungen in der Familie oder in der Kindheit gefragt. Die folgenden Untersuchungen sind in der Diagnostik von Ohrerkrankungen wichtig:

  • körperliche Untersuchung
  • Hörprüfung
  • Gleichgewichtsuntersuchung
  • Bild gebende Untersuchung.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung des Ohres wird das Ohr auf äußerlich feststellbare Veränderungen untersucht. Sie dient der Beurteilung von Ohrmuschel, Gehörgang und Trommelfell.

OhruntersuchungDie Untersuchung des äußeren Ohres erfolgt mit einer Stirnlampe als Lichtquelle. Es wird auf Rötungen, Schwellungen oder Formveränderungen geachtet. Vor Manipulationen im Gehörgang ist der Patient darüber zu unterrichten, dass dieser Vorgang für ihn schmerzhaft sein könnte. Bei sehr empfindlichen Patienten oder bei Kindern ist es hilfreich, wenn eine zweite Person den Kopf des Patienten mit zwei Händen etwas festhält. In jedem Fall sollte der zu Untersuchende schnelle Bewegungen vermeiden, da es ansonsten zu Verletzungen kommen könnte.

Zur Untersuchung von Gehörgang und Trommelfell verwendet man einen so genannten Ohrtrichter. Der Trichter wird in den Gehörgang eingeführt, indem die Ohrmuschel mit zwei Fingern etwas nach hinten oben gezogen wird. Hierdurch wird die Knickbildung des Gehörganges ausgeglichen und das Einführen des Trichters gelingt einfacher. Evtl. vorliegende Verunreinigungen durch Ohrenschmalz werden entfernt, damit die Sicht auf das Trommelfell ungehindert möglich ist.

Der Untersucher achtet wiederum auf Schwellungen, Rötungen, Formveränderungen oder Ohrsekretion. Das Trommelfell lässt sich am besten mit einem Ohrmikroskop beurteilen. Evtl. Pathologika wie Trommelfellperfo- rationen (→ Trommelfellverletzung), Einziehungen, Narben o.a. werden dokumentiert, evtl. auch mit Hilfe einer Zeichnung.

Hörprüfung

Hörprüfungen dienen dazu die Art und das Ausmaß einer Hörstörung festzustellen. Man unterscheidet verschiedene Arten von Hörstörungen nach dem Ort der Störung:

Schallleitungsschwerhörigkeiten: Sie entstehen im äußeren oder im Mittelohr, Schallempfindungsschwerhörigkeiten: Sie entstehen im Innenohr als sog. sensorische Schwerhörigkeit, im Bereich des Hörnervs als neurale Schwerhörigkeit oder im Gehirn als zentrale Schwerhörigkeit.

Mit verschiedenen Hörprüfungen lassen sich die unterschiedlichen Arten von Hörstörungen diagnostizieren.

Stimmgabeluntersuchung

In den Stimmgabelversuchen nach Weber wird dem Patienten eine klingende Stimmgabel mittig auf den Schädel gehalten. Die Schwingungen werden vom Schädelknochen direkt zum Innenohr übertragen.

Im Stimmgabelversuch nach Rinne wird die Stimmgabel zunächst auf den Warzenfortsatz gesetzt und anschließend vor das zu prüfende Ohr gehalten. Bereits das Ergebnis der Stimmgabeluntersuchung gibt dem Untersucher einen Hinweis auf die Ursache einer Hörstörung.

Tonaudiometrie

In der Tonaudiometrie werden dem Patienten Töne unterschiedlicher Frequenz (Tonhöhe) in ansteigender Lautstärke angeboten. Die Untersuchung wird zunächst mit einem Kopfhörer durchgeführt, anschließend erfolgt die Messung mit dem so genannten Knochenschallgeber, der dem Patienten auf den Warzenfortsatz aufgesetzt wird. Der Patient gibt ein Zeichen, sobald er den Ton gehört hat.

Während die Messung mit dem Knochenschallgeber isoliert das Hörvermögen des Innenohres zeigt, überprüft die Messung mit dem Kopfhörer das Hörvermögen von Mittelohr und Innenohr gemeinsam.

Aus dem Ergebnis des Tonaudiogramms, das in einer Hörkurve dargestellt wird, kann sowohl der Hörverlust frequenzabhängig abgelesen werden, als auch zwischen einer Schallleitungsschwerhörigkeit und einer Schallempfindungsschwerhörigkeit unterschieden werden.

Sprachaudiometrie

Das Sprachaudiogramm wird in ähnlicher Weise wie das Tonaudiogramm durchgeführt, es werden dem Patienten allerdings Wörter oder Zahlen anstatt Töne angeboten. Geprüft wird der Anteil der richtig verstandenen Wörter oder Zahlen in Abhängigkeit von der Prüflautstärke. Das Sprachaudiogramm prüft das Sprachverständnis und spielt eine wichtige Rolle bei der Hörgeräte-Verordnung und -Kontrolle.

Tympanometrie

In der Tympanometrie wird die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells ermittelt. Hierzu wird eine Sonde in den Gehörgang eingeführt, welche den Gehörgang luftdicht verschließt. Über die Sonde wird der Druck im Gehörgang verändert und ein akustisches Signal abgegeben, das vom Trommelfell reflektiert wird. Die Messung gibt Hinweise auf die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells und die Verhältnisse im Mittelohr.

Messung der otoakustischen Emissionen

Die Sinneszellen im Innenohr, die sog. äußeren Haarzel- len, sind in der Lage sich aktiv zu bewegen. Durch die Bewegungen werden Signale erzeugt, die man im äußeren Gehörgang mit einer empfindlichen Sonde messen kann. Lassen sich diese so genannten otoakustischen Emissionen nachweisen, so kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Sinneszellen intakt sind, der Patient also hört.

Es handelt sich um eine computergestützte Untersuchung, die ohne Mithilfe des Patienten erfolgen kann (objektiver Hörtest). Sie eignet sich deshalb insbesondere zum Einsatz als Neugeborenen-Hörprüfung.

Hirnstammaudiometrie (BERA)

Es handelt sich ebenfalls um eine computergestützte, objektive Untersuchung. Der Patient hört über einen Kopfhörer Knack-Geräusche. Jedes dieser Geräusche wird im Innenohr von den Haarzellen in ein elektrisches Signal umgewandelt, das über den Hörnerv zum Gehirn fortgeleitet wird. Diese Signale (Ströme) können mit Elektroden wie beim EKG oder EEG abgeleitet und ausgewertet werden.

Die Untersuchung dient einerseits zur Ermittlung der Hörschwelle bei Patienten, die bei einem Tonaudiogramm nicht mitmachen können oder wollen (z.B. bei Kleinkindern oder bei Begutachtungen), andererseits lassen sich mit dieser Untersuchung Erkrankungen im Bereich des Hörnervs feststellen.

Gleichgewichtsuntersuchung

Das Gleichgewichtssystem besteht aus verschiedenen Komponenten, deren Signale im Gehirn in Gleichge- wichtszentren verschaltet werden. Wenn an einer Stelle des Gleichgewichtssystems eine Funktionsstörung auftritt, dann entsteht Schwindel.

In beiden Innenohren befinden sich Gleichgewichtsorgane (Labyrinth), die für die Registrierung der Körperlage und Beschleunigung im Raum verantwortlich sind. Es existieren verschiedene Untersuchungsverfahren um die Funktion dieser Gleichgewichtsorgane zu überprüfen.

Prüfung der vestibulo-spinalen Reflexe

Romberg-Versuch

Der Patient steht mit nach vorn ausgestreckten Armen und geschlossenen Augen vor dem Untersucher. Bei Gleichgewichtsstörungen, welche ihre Ursache im Innen- ohr haben (labyrinthäre Störungen), kommt es zur Fallneigung nach einer bestimmten Seite. Liegt die Schwindelursache zentral, kommt es eher zu ungerichteter Fallneigung oder Schwanken.

Eine Sonderform dieser Untersuchung ist die Posturografie, bei der der Patient auf einer Messplatte steht, welche die Schwankungen elektronisch aufzeichnet.

Unterberger-Tretversuch

Mit geschlossenen Augen und nach vorn ausgestreckten Armen tritt der Patient mindestens fünfzigmal auf der Stelle. Kommt es dabei zu einer Körperdrehung von über 45° so deutet dies auf eine Funktionsstörung eines peripheren Gleichgewichtsorgans hin. Die Drehung findet dabei nach der Seite des Ausfalls des Gleichgewichtsorgans statt.

Finger-Nase-VersuchFingerNase

Mit geschlossenen Augen soll der Patient mit dem Zeigefinger auf seine Nasenspitze zeigen. Schwierigkeiten deuten am ehesten auf eine Störung der Kleinhirnfunktion hin.

Prüfung der Funktion der peripher-vestibulären Organe

Prüfung auf Spontan- und Provokationsnystagmus

Eine Reizung oder Störung des Gleichgewichtssinns hat eine typische Augenbewegung, einen sog. Nystagmus zur Folge. Da Nystagmen beim Gesunden nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen auftreten, sind sie i.d.R. ein Hinweis auf eine Erkrankung des Gleichgewichtssystems.

Ein Nystagmus wird unter der Lichtbrille nach Frenzel beurteilt. Die Frenzel-Brille ist mit stark brechenden Gläsern (+ 15 Dioptrien) und einer Beleuchtung ausgestattet. Sie verhindert, dass der Patient während der Untersuchung etwas fokussiert und dadurch der Nystagmus unterdrückt wird.

Spontannystagmus.

Ein Spontannystagmus ist meist ein Zeichen für eine Störung des peripher-vestibulären (Innenohr-) Gleichgewichtsorgans. Der Nystagmus (schnelle Komponente der Augenbewegung) zeigt in Richtung des dominierenden Gleichgewichtsorgans, also weg von der Seite des Ausfalls.

Frenzelbrille

Provokationsnystagmus. Wenn eine Gleichgewichtsstörung zentral kompensiert ist, dann kann es sein, dass sie sich nicht durch einen Spontannystagmus bemerkbar macht. Durch bestimmte Lockerungsmanöver, z. B. schnelle Kopfbewegungen, kann evtl. dennoch ein Nystagmus ausgelöst werden.

Lage- und Lagerungsprüfung

Die Lageprüfung wird auf einer Untersuchungsliege durchgeführt. Der Patient wird nacheinander langsam in Rechtslage, Linkslage und Kopfhängelage gebracht, wäh- rend mit der Frenzel-Brille die Augen beobachtet werden.

Bei der Lagerungsprüfung wird untersucht, ob durch schnelle Bewegungen in unterschiedliche Körperlagen Nystagmen auslösbar sind.

Thermische Vestibularisprüfung

In den Bogengängen des Gleichgewichtsorgans befindet sich Flüssigkeit, die so genannte Endolymphe. Die Flüssigkeit bleibt, dem Dotter eines rohen Eies gleich, bei schnel- len Bewegungen des Kopfes stehen. Durch die daraus resultierende Strömung werden härchenförmige Fortsätze von Sinneszellen ausgelenkt, es kommt zu einer Erregung, die vom Gleichgewichtssystem als Drehbewegung eingeordnet wird. Durch die Verschaltung des Gleichgwichtssystems mit den Augenmuskeln entstehen dabei Nystagmen. Dieses Phänomen ermöglicht es uns auch bei schnellen Kopfbewegungen ein Ziel im Auge zu behalten.

Bei der thermischen Überprüfung der Funktion der peripheren Gleichgewichtsorgane machen wir uns dieses Phänomen zu Nutze. Durch Spülung der Gehörgänge mit warmem oder kaltem Wasser (Luft ist auch möglich) kommt es zur Erwärmung der Endolymphe im lateralen Bogengang. Dies führt durch Konvektion zu einer Strömung der Endolymphe, was wiederum eine Erregung des Gleichge- wichtsystems bewirkt. Die dadurch entstehenden Nystagmen werden mit der Frenzel-Brille beobachtet und geben einen Anhalt für die Funktion der peripheren Gleichgewichtsorgane.

Video-Nystagmographie (Elektro-Nystagmographie) Eine Sonderform der Aufzeichnung der Augenbewegungen bei der Gleichgewichtsprüfung ist die Registrierung mit einer Infrarotkamera (Video-Nystagmographie) bzw. Ableitung mittels Elektroden (Elektro-Nystagmographie) und die computergestützte Auswertung.

Paukenerguss

DefinitionPaukenerguss

Ein Paukenerguss bezeichnet eine Ansammlung von (nicht entzündlicher) Flüssigkeit innerhalb der Paukenhöhle (Mittelohr) und die daraus resultierende Schallleitungshörstörung.

Ursachen

Die Paukenhöhle (Mittelohr) ist ein normalerweise mit Luft gefüllter Hohlraum, der durch das Trommelfell nach außen hin abgeschlossen ist und über die Tuba auditiva (Eustachi’sche Röhre/Ohrtrompete) Verbindung zum Nasenrachenraum hat. Das Mittelohr ist mit Schleimhaut ausgekleidet. Die Schleimhaut resorbiert Luft und produziert Schleim. Dies hat zur Folge, dass sich in diesem Raum permanent ein leichter Unterdruck bildet. Dieser Unterdruck muss regelmäßig über die Tuba auditiva ausgeglichen werden.

Der Druckausgleich erfolgt durch ein kurzes Öffnen der Tube im Bereich ihrer Mündung zum Nasenrachenraum (Tubenostium), z. B. unmerklich durch Muskelzug wäh- rend des Schluckaktes. Ist die Belüftung des Mittelohrs behindert, erhöht sich der Unterdruck und das Sekret kann nicht mehr zum Nasenrachenraum hin abfließen. Das Mittelohr füllt sich mit Sekret.

Mögliche Ursachen sind:

  • vergrößerte oder entzündete Rachenmandel (adenoide Vegetationen) beim Kind
  • akute Infekte der oberen Luftwege (Schnupfen, akute Sinusitis)
  • Allergien, chronische Sinusitis, Verkrümmung der Nasenscheidewand (Septumdeviation),
  • Tumoren

Symptome

Zu Beginn der Beschwerden, wenn die Paukenbelüftung nicht mehr ausreichend gewährleistet ist, spüren die Betroffenen einen Druck, manchmal auch Schmerzen im Ohr. Es entwickelt sich eine zunehmende Hörstörung, wobei häufig die eigene Stimme lauter wahrgenommen wird als sonst. Gelegentlich treten Ohrgeräusche oder ein Schwindelgefühl auf. Bei Kindern bleibt ein Paukenerguss oft lange unbemerkt und fällt erst durch eine Schwerhörigkeit, manchmal sogar erst durch eine verzögerte Sprachentwicklung auf.

Diagnose

Nach der allgemeinen Befragung untersucht der HNO- Arzt das Ohr mit dem Ohrmikroskop. Das Trommelfell ist i.d.R. eingezogen, der Erguss schimmert durch das Trom- melfell durch. Es erscheint bei frischem, wässrigem Erguss rötlich gefärbt. Dies wird durch die durchscheinende Mittelohrschleimhaut verursacht und vom unerfahrenen Untersucher manchmal als entzündliches Geschehen fehlinterpretiert. Ein schon längere Zeit bestehender, zäher Erguss, erscheint eher gelblich bis bräunlich (bernsteinfarben). Anschließend werden Nase und Nasenrachenraum inspiziert. Dies erfolgt ggf. endoskopisch nach vorangehendem Abschwellen und oberflächlichem Betäuben der Nasenschleimhaut.

In der Hörprüfung findet sich eine Schallleitungshörstörung. Der Stimmgabelversuch nach Weber und Rinne zeigt den typischen Befund. In der Tympanometrie besteht ein flacher Verlauf der Kurve.

Weitere ergänzende Untersuchungen sind Ultraschall oder Röntgen der Nasennebenhöhlen, um eine Sinusitis auszuschließen, Allergietests und Computertomografie oder MRT vom Schädel, um z.B. Tumoren des Nasenrachenraums auszuschließen.

Differenzialdiagnose

Andere Ursachen einer Schwerhörigkeit wie entzündliche akute oder chronische Veränderungen des Mittelohres sind abzugrenzen (akute u. chronische Otitis media). Bei über einen längeren Zeitraum bestehenden Ergüssen ist insbesondere bei Erwachsenen ein Tumor im Bereich von Nasenrachenraum oder eine chronische Sinusitis auszuschließen.

Therapie

Die Behandlung erfolgt entsprechend der Ursache:

  • belüftende Maßnahmen durch kurzfristige Gabe von abschwellenden Nasentropfen bei akuten Infekten
  • Entfernung der Rachenmandel bei Kindern
  • Korrektur der Nasenscheidewand
  • sanierende Nasennebenhöhlenoperation
  • antiallergische Behandlung.

Bei bereits längere Zeit bestehenden oder rezidivierenden Ergüssen ist gelegentlich ein Trommelfellschnitt und/oder Einlage von Paukenröhrchen sinnvoll, um die Belüftung zu gewährleisten.

Prognose

Beim Erwachsenen ist die Prognose abhängig von der Ursache. Bei Kindern treten aufgrund der engen anatomischen Verhältnisse oft rezidivierende Paukenergüsse auf. Nachdem die Rachenmandel entfernt wurde, sind die Betroffenen meist beschwerdefrei.