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Innenohrschwerhörigkeit

Definition

Bei der Innenohrschwerhörigkeit handelt es sich um eine Hörstörung, die durch eine Funktionsstörung im Bereich des Innenohres hervorgerufen wird.

Ursachen

Verschiedene Ursachen können zu einem Funktionsverlust des Innenohres führen.

Die häufigste Ursache ist die Altersschwerhörigkeit. Oft setzt diese bereits im 5. bis 6. Lebensjahrzehnt mit einem Nachlassen des Gehörs im Bereich der hohen Töne ein. Später können alle Frequenzbereiche betroffen sein.

Bestimmte Krankheiten können die Ausbildung einer Innenohrscherhörigkeit begünstigen. Hierzu zählen Stoffwechselerkrankungen und Durchblutungsstörungen, z. B. Nieren- und Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Arteriosklerose, Hörsturz sowie eine Reihe von Immunerkrankungen.

Eine weitere sehr häufige Ursache ist Lärm. Die Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste anerkannte Berufskrankheit in der BRD. Durch eine tägliche sechs- bis achtstündige Lärmbelastung mit über 85 dB (A) kann über Jahre eine beidseitige Innenohrschwerhörigkeit entstehen. Häufig hiervon betroffen sind Metallarbeiter oder Bauarbeiter. Aber auch Freizeitlärm, z. B. durch laute Musik oder Sport- schießen, kommt als Ursache in Frage.

Symptome

Der Hörverlust führt zu einem eingeschränkten Sprachverständnis. Dies wird von den Betroffenen zunächst bemerkt, wenn bei Gesprächen Umgebungsgeräusche vorhanden sind. Es fällt zunehmend schwerer sich auf den Gesprächspartner zu konzentrieren. Oftmals meinen die Betroffenen, dass der Gesprächspartner undeutlich spricht. Wegen des eingeschränkten Sprachverständnisses können die meisten höhergradig Schwerhörigen an keiner Konversation mehr teilnehmen. Evtl. treten zusätzlich Ohrgeräusche auf.

Bei älteren Menschen, die an Schwerhörigkeit leiden, besteht die Gefahr sozialer und psychischer Veränderungen: Zunehmende gesellschaftliche Isolierung, depressive Verstimmung, Misstrauen und Angstzustände werden häufig beobachtet. Aus diesen Gründen muss möglichst frühzeitig etwas gegen Altersschwerhörigkeit getan werden, noch bevor die geistigen Fähigkeiten des Betroffenen merklich nachlassen.

Diagnose

Bei der Innenohrschwerhörigkeit stellt der HNO-Arzt die Diagnose anhand einer allgemeinen HNO-ärztlichen Spiegeluntersuchung sowie anhand verschiedener Hörtests (Audiometrie).

Impedanzaudiometrie: Die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells und der Gehörknöchelchenkette im Mittelohr sowie der Mittelohrdruck wird gemessen. Sie dient dem Ausschluss einer Störung der Mittelohrfunktion (Schallleitungshörstörung/Otosklerose).

Tonaudiometrie: In der Tonaudiometrie werden dem Patienten über Kopfhörer Sinustöne unterschiedlicher Frequenz in ansteigender Lautstärke angeboten. Sobald der Patient den Ton hört, teilt er dies mit. Als Ergebnis der Untersuchung erhält man ein Diagramm (Hörkurve) mit der Lautstärke auf der Ordinate (y-Achse) und der Frequenz auf der Abszisse (x-Achse). Werden Töne erst bei höheren Lautstärkewerten gehört, so weicht die Hörkurve dieser Person von der Normalkurve ab. Mit Hilfe dieser Hörkurve lässt sich eine Schwerhörigkeit in unterschiedliche Schweregrade einteilen.

Sprachaudiometrie. Die Sprachaudiometrie untersucht das Verständnis von Einsilbern und Zahlen bei vorgegebener Prüftonlautstärke.

Es existieren noch eine ganze Reihe weiterer Hörtests, die zur Abgrenzung der Innenohrschwerhörigkeit von anderen Arten der Schwerhörigkeit dienen.

Differenzialdiagnose

Weitere Formen der Schwerhörigkeit mit einem anderen Entstehungsort müssen abgegrenzt werden:

Mittelohrschwerhörigkeit: Die Störung liegt im Mittelohr oder äußeren Ohr (z.B. bei Paukenerguss, akute Otitis media). retrocochleäre (hinter der Schnecke gelegene) Hörstörungen: Schallleitungsschwerhörigkeit mit Schädigung zwischen Innenohr und Gehirn (z. B. bei Akustikusneurinom, ein gutartiger Tumor, der den Hörnerven komprimiert).

zentrale Hörstörungen: Ursache liegt in den Hirnstrukturen, meist finden sich hierbei gleichzeitig andere neurologische Veränderungen.

Therapie

Bei einer Innenohrschwerhörigkeit ist eine medikamentöse oder operative Therapie nicht möglich. Man vertritt heute die Ansicht, dass eine möglichst frühzeitige Hörgeräteversorgung anzustreben ist.

Das Tragen eines Hörgeräts bringt für den Schwerhörigen eine Reihe von Vorteilen mit sich, insbesondere wird das Sprachverständnis bei Unterhaltungen mit anderen Personen erleichtert. Die Betroffenen können mit dem Hörgerät Geräusche wahrnehmen, die sie lange Zeit nicht mehr hören konnten, z.B. Vogelgezwitscher, das Piepen des Weckers oder die Türglocke. Die Qualität von Hörgeräten wird dabei kontinuierlich verbessert.

Die neuesten Hörgeräte verwenden heute Digitaltechnologie. Diese Geräte verarbeiten die Schallsignale in winzigen Prozessoren, kleinen Computern gleich, und passen sich den Umgebungsverhältnissen selbstständig an. Sie sind in der Lage die menschliche Stimme von Störgeräuschen zu unterscheiden und zu verstärken. Sie besitzen Richtmikrofone, die einer besseren Fokussierung des Gehörs auf das Gegenüber dienen.

Die Versorgung mit Hörgeräten findet heute entweder auf dem klassischen Weg über ein Hörgeräte-Akustiker- Geschäft statt, oder neuerdings auch über den so genannten „verkürzten Versorgungsweg“ direkt durch den HNO- Arzt.

Prognose

Die Innenohrschwerhörigkeit kann über Jahre konstant sein oder sich kontinuierlich verschlechtern. Dies ist meist ein schleichender Prozess, der vom Betroffenen oft unbemerkt bleibt. Eine rechtzeitige Hörgeräteversorgung ist anzustreben. So kann das Hören in einer ausreichenden Qualität erhalten werden und die Hörstörung hat keine Auswirkung auf das Sozialverhalten.

Intubationsschaden

Definition

Ein Intubationsschaden ist ein Schaden am Kehlkopf, verursacht durch Intubation im Rahmen einer Vollnarkose.

Ursachen

Während einer Intubation, wie sie routinemäßig bei einer Narkose durchgeführt wird, kann es zu Schädigungen am Kehlkopf kommen. Diese können unmittelbar beim Einführen des Intubationstubus durch oberflächliche Schleimhautverletzungen (Schleimhautläsionen), Verletzung der Stimmlippen, Luxation des Aryknorpels (Aryluxation) oder Hämatome entstehen.

Häufiger sind Schäden, die durch Druck der Tubusmanschette (Cuff) oder des Beatmungsschlauchs auf die Schleimhaut verursacht werden. Dies tritt auf, wenn die Tubusmanschette an der falschen Position zu liegen kommt oder wenn sie mit zu hohem Druck gefüllt wird . Es kommt zu Schleimhauterosionen, evtl. mit Ulzerationen (Geschwürbildung) und freiliegendem Knorpel. In der Folge können sich Granulome (tumorös aussehende, fleischige Gebilde) oder eine Stenose (Verengung) ausbilden.

Das Risiko von Intubationsschäden ist besonders groß bei langzeitbeatmeten intubierten Patienten.

Symptome

Die Symptome bleiben während der Narkose unbemerkt. Bei direkten Kehlkopfverletzungen besteht nach dem Auf- wachen eine Heiserkeit und Schmerzen, selten eine Luftnot. Bei indirekten Schäden (Granulome/Stenosen) treten die Beschwerden erst Tage bis Wochen nach der Intubation auf. Es kommt zu Heiserkeit, selten auch zu Luftnot.

Diagnose

Der HNO-Arzt führt zunächst eine allgemeine Spiegeluntersuchung durch. Anschließend erfolgt die Beurteilung des Kehlkopfes mit dem Lupenlaryngoskop oder mittels transnasaler fiberoptischer Endoskopie.

Stenosen, die unterhalb der Stimmbandebene liegen, können oft erst in direkter Untersuchungstechnik mit dem starren Bronchoskop in Narkose festgestellt werden. Eine Stenose kann auch mittels einer Röntgenuntersuchung (konventionelle Tomografie) dargestellt werden.

Differenzialdiagnose

Polypen und andere tumoröse Neubildungen des Larynx sind ggf. histologisch abzugrenzen. Eine Aryluxation ist manchmal schwierig von einer Rekurrensparese (Lähmung des Stimmbandes aufgrund einer Verletzung der Stimmbandnerven) zu unterscheiden.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Störung. Bei Schleimhautverletzungen und Hämatomen kann zunächst abgewartet werden. Kam es zu einer Aryluxation, ist die Reposition in einem erneuten Eingriff (Stützlaryngoskopie) möglich.

Granulome und narbige Stenosen werden, wenn die Beschwerden es erforderlich machen, chirurgisch abgetragen. Bei Langzeitbeatmeten führt man einen Luftröhrenschnitt (Tracheostomaanlage) durch und führt den Tubus hierüber ein. Dadurch wird der Kehlkopf geschont.

Prognose

Die narbigen Stenosen sind oft schwierig zu behandeln. Bis zur gelungenen Beseitigung der Stenose müssen die Betroffenen oft einen Luftröhrenschnitt behalten. Die übrigen Störungen haben eine gute Prognose, gelegentlich bleibt eine Heiserkeit bestehen.