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Gehörlosigkeit

Definition

Von Gehörlosigkeit spricht man, wenn das Hörvermögen so weit geschädigt ist, dass der Betroffene trotz Hörhilfen nur kaum verwertbare Höreindrücke wahrnimmt. Ob- wohl allgemein auch von Taubheit gesprochen wird, verfügen die meisten Gehörlosen doch über ein gewisses Rest-Hörvermögen. Eine scharfe Abgrenzung zur Schwerhörigkeit ist nicht möglich.

Für die sprachliche und geistige Entwicklung ist der Zeitpunkt des Eintretens der Hörschädigung von großer Wichtigkeit. Man spricht von Spätertaubung, wenn die Schädigung des Gehörs nach der Sprachentwicklung auftritt (ca. ab dem 3. Lebensjahr).

Ursachen

Angeborene Hörschäden können durch bestimmte Erkrankungen während der Schwangerschaft (z. B. → Röteln Embryopathie) verursacht sein. Sie können vererbt sein (meist autosomal-rezessiv) oder im Rahmen von Fehlbildungssyndromen auftreten.

Erworbene Hörstörungen können als Folge von z.B. → Meningitis, → Scharlach, → Masern, → Tuberkulose, Mittelohr-Erkrankungen, Otosklerose oder Verletzungen auftreten.

Symptome

Besteht eine Gehörlosigkeit von Geburt an, so ist die gesamte körperliche, geistige, seelische und soziale Entwicklung durch die Sinnesschädigung beeinflusst. Die Diagnose wird in Deutschland durchschnittlich erst im Alter von über 2 Jahren gestellt, weil die Kinder dann durch eine ausbleibende Sprachentwicklung auffallen.

Diagnose

Anzustreben ist eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung innerhalb der ersten 6 Lebensmonate. Es existieren objektive Untersuchungsverfahren, die bereits unmittelbar nach der Geburt zuverlässige Hörtestergebnisse liefern. Das momentan am häufigsten angewandte Testverfahren ist die Messung der otoakustischen Emissionen. Allerdings werden die Kosten für diese Untersuchung als universelles Hörscreening momentan noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei Erwachsenen bzw. Spätertaubten werden vom HNO-Arzt die üblichen Hörtests (Tonaudiometrie) durchgeführt.

Therapie

Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto eher wird den Betroffenen eine normale Entwicklung ermöglicht. So können bereits in den ersten Lebensmonaten Hörgeräte angepasst werden.

Cochlea Implant (CI). Beim Kochlea-Implant handelt es sich um eine Art elektronische Hörprothese, welche die Funktion des ausgefallenen Innenohres übernimmt. In die Cochlea (Schnecke) des Ohres wird operativ ein Elektrodendraht eingesetzt, der elektronisch aufgearbeitete Signale direkt an den Hörnerv abgibt. Vorraussetzung für solch eine Operation ist eine intakte Hörbahn. Bei Kindern ist etwa ab der Vollendung des ersten Lebensjahres ein Cochlea Implant möglich. Das mit einem CI erzielbare Hören entspricht zwar nicht dem natürlichen, aber den Kindern ist dadurch eine schulische und berufliche Entwicklung möglich, die mit der von schwerhörigen Kindern vergleichbar ist.

Prognose

Die Prognose ist abhängig: vom Zeitpunkt, an dem der Hörschaden erkannt wird, von der sofortigen Versorgung mit Hörhilfen, vom frühen Beginn sowie von der Art und Häufigkeit der Fördermaßnahmen.

Glossitis (Zungenbrennen)

Definition

Die Glossitis ist eine entzündliche Veränderung der Zungenschleimhaut. Häufig tritt sie in Verbindung mit internistischen oder neurologischen Grunderkrankungen auf.

Ursachen

In Frage kommen lokale Ursachen, z.B. bakterielle Infektionen oder Pilzinfektionen, Traumata (durch scharfe Zahnkanten, Prothesen), chemische Reizungen (Nikotin, scharf gewürzte Speisen), Allergien (Zahnfüllungen, Prothesenmaterial, Lebensmittel) und Medikamentennebenwirkungen.

Aber auch internistische Erkrankungen wie Vitamin- mangelerkrankungen (Vitamin A-, B-, C-Mangel, perniziöse → Anämie und Eisenmangelanämie), → Diabetes mellitus oder ein Sjögren-Syndrom sind möglich.

Symptome

Typische Symptome sind Zungenbrennen und Schmerzen, v. a. an der Zungenspitze und den Rändern.

Ebenso können Geschmacksstörungen und Missempfindungen auftreten.

Diagnose

Zur Diagnosestellung wird die Mundschleimhaut untersucht. Geachtet werden muss auf lokale Entzündungszeichen, z.B. Rötung, Schwellung, Veränderungen an der Schleimhautoberfläche, Beläge. Evtl. wird auch eine Abstrichuntersuchung vorgenommen, um eine Pilzinfektion auszuschließen. Eine Allergietestung kann eine Nahrungsmittel-Allergie ausschließen.

Oftmals findet sich lokal kein auffälliger Befund. Dann ist eine interdisziplinäre Abklärung erforderlich: Der Zahnarzt beurteilt den Zahnstatus, ggf. wird eine Zahnprothese auf scharfe Kanten untersucht.

Der Hausarzt führt Blutuntersuchungen durch, um internistische Grunderkrankungen auszuschließen. Evtl. werden mögliche neurologische und psychosomatische Ursachen mit abgeklärt.

Differenzialdiagnose

Harmlose, nicht behandlungsbedürftige Veränderungen der Zunge sind die schwarze Haarzunge und die Glossitis mediana rhombica. Die Glossitis mediana rhombica ist eine angeborene Veränderung. Sie zeigt im hinteren Anteil der Zungenmitte ein erhabenes, klar abgrenzbares, gerötetes oder weißliches Areal.

Nicht selten tritt Zungenbrennen als Symptom im Rahmen einer depressiven Erkrankung auf.

Therapie

Die Behandlung sollte sich nach der Ursache richten. Wenn keine feststellbar ist, dann erfolgt eine symptomatische Therapie, z.B. Mundspülungen mit Bepanthen-Lösung, Kamille oder Salbei. Scharf gewürzte Speisen, Alkohol und Nikotin sollten gemieden werden.

Prognose

Bei symptomatischer Therapie ist der Erfolg oft unbefriedigend.