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Adenoide Vegetationen (vergrösserte Rachenmandel)

DefinitionAdenoideVegetationen

Bei den adenoiden Vegetationen ist die Rachenmandel (Tonsilla pharyngea) vergrößert. Sie treten meist im Kindesalter auf.

Synonym:

Rachenmandelhyperplasie, im Volksmund fälschlicherweise als Polypen bezeichnet.

Ursachen

Bei den Mandeln handelt es sich um lymphoepitheliales Gewebe. Die Rachenmandel befindet sich am Dach des Nasenrachenraums. Gemeinsam mit den Gaumenmandeln (Tonsilla palatina) und der Zungenmandel (Tonsilla lingualis) bildet sie den sog. Waldeyer’schen Rachenring. Dieser dient dem Abfangen von über die Nase und Mundhöhle eindringenden Krankheitserregern.

Vor allem bei Kindern zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr sind sowohl die Rachen- als auch die Gaumenmandeln häufig vergrößert, weil sie vermehrt Infekten im Nasen-Rachen-Bereich ausgesetzt sind. Der vergrößerte lymphatische Rachenring zeigt, dass sich das Immunsystem ausbildet. Mit zunehmendem Lebensalter bildet sich die Rachenmandel zurück. Beim Erwachsenen ist sie i.d.R. vollständig verschwunden.

Symptome

Da die anatomischen Verhältnisse im Nasen-Rachen-Raum bei Kleinkindern sehr beengt sind, kann eine vergrößerte Rachenmandel zu typischen Symptomen führen. Mittelohrentzündung und Schwerhörigkeit. In unmittelbarer Nachbarschaft der Rachenmandel mündet die Eustachi’sche Röhre (Ohrtrompete, Tuba auditiva) in den Rachen. Ist sie durch die vergrößerte Rachenmandel verlegt, kann das Mittelohr nicht mehr richtig belüftet werden. Es bildet sich ein Unterdruck im Mittelohr und das Sekret kann nicht mehr abfließen. Flüssigkeit sammelt sich hinter dem Trommelfell (Tubenmittelohrkatarrh mit Paukenerguss). Das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette können nicht mehr in Schwingungen versetzt werden. Hieraus resultiert eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Diese kann, wenn sie über einen längeren Zeitraum unbemerkt bleibt, zu einer verzögerten Sprachentwicklung und geistigen Unterentwicklung führen. Der Unterdruck im Mittelohr bewirkt, dass Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum über die Eustachi’sche Röhre in das Mittelohr aufsteigen. Das dort gestaute Sekret bildet den idealen Nährboden für Entzündungen (→ akute Otitis media), die bei Kindern mit adenoiden Vegetationen gehäuft auftreten.

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)

Weitere typische Beschwerden sind nächtliches Schnarchen und vermehrte Mundatmung bis hin zum Auftreten eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms. Hierbei verengen sich die oberen Luftwege beim Einatmen. Es kommt zu Atempausen und Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Der Schlaf ist unruhig und wenig erholsam. Die Kinder sind tagsüber entsprechend müde und unkonzentriert.

Infektanfälligkeit im Bereich des Bronchialsystems

Durch die vermehrte nächtliche Mundatmung wird die Atemluft nicht wie bei der Nasenatmung angefeuchtet und gefiltert. Die trockene und kalte Luft trocknet die Schleimhaut der oberen Luftwege verstärkt aus. Da die schützende Wirkung des Schleims fehlt, ist das Kind für Infekte anfälliger.

Facies adenoidea

Die Kinder haben häufig einen für die Erkrankung typischen Gesichtsausdruck mit schmalem, blassen Gesicht, offenstehendem Mund und zurückliegenden Augen.

Diagnose

Die Diagnose stellt der HNO-Arzt. Er kann mit speziellen Instrumenten den Nasen-Rachen-Raum einsehen. Dies erfolgt entweder mittels eines flexiblen fiberoptischen Endoskops über die Nasenhöhle oder mit einem Spiegelchen indirekt über die Mundhöhle. Obligatorisch werden auch die Ohren und das Hörvermögen (Tonaudiometrie) untersucht. Mittels Tympanometrie werden Mittelohrdruck und Schwingungsfähigkeit des Trommelfells bestimmt. Je nach Dauer und Stärke der Beschwerden kann eine Operation nötig sein.

Differenzialdiagnose

Eine Choanalatresie (angeborene Verengung im hinteren Bereich der hinteren Nasenhöhle) oder → Tumoren (insbesondere juveniles Angiofibrom) des Nasenrachenraumes sind auszuschließen.

Therapie

Rachenmandeln werden unter einer 5 – 10-minütigen Vollnarkose operativ mit einem speziellen Instrument herausgeschält (Adenotomie). Die Adenotomie erfolgt i.d.R. ambulant, wenn keine wesentlichen Vorerkrankungen oder Störungen der Blutgerinnung vorliegen. Das Kind sollte zum Operationszeitpunkt keinen akuten Infekt haben.
Liegen ebenfalls Paukenergüsse vor, wird außerdem ein Trommelfellschnitt (Parazentese) durchgeführt und das Sekret abgesaugt. Es können Paukenröhrchen einge- bracht werden, die eine dauerhafte Belüftung gewährleisten. Diese Röhrchen werden i.d.R. nach 3 – 6 Monaten ab- gestoßen oder vom HNO-Arzt entfernt.

Risiken der Operation können sein:

Lockerung der Milchzähne (durch den Mundsperrer, der den Mund während der OP offen hält), Nachblutungen (sehr selten), Schluckstörungen und Schmerzen.
Nach der Operation ist auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten. Um das Risiko einer Nachblutung zu minimieren, sollten körperliche Anstrengungen, heißes Duschen, Baden oder Haarewaschen für eine Woche vermieden werden.

Das Kind darf nach der Entlassung niemals alleine zu Hause bleiben. Im Falle einer Nachblutung muss es unver- züglich in die nächste HNO-Klinik gebracht werden. Ist ein Trommelfellschnitt durchgeführt worden, darf zunächst kein Wasser in den Gehörgang gelangen. Der HNO-Arzt kontrolliert nach einigen Tagen, ob der Trommelfell- schnitt wieder verheilt ist.

Prognose

Nachdem die Rachenmandel entfernt wurde sind ca. 70% der Kinder langfristig beschwerdefrei. Da sie allerdings in manchen Fällen nachwächst, ist zu einem späteren Zeitpunkt eine Nachoperation erforderlich. Kommt es trotzdem weiterhin zu rezidivierenden Paukenergüssen, ist die Einlage von Langzeitpaukendrainagen in das Trommelfell sinnvoll.

Akute Laryngitis (Kehlkopfentzündung)

Definition

Bei einer akuten Laryngitis ist der Kehlkopf akut entzündet. Auslöser sind meist Viren oder Bakterien.

Synonym: Kehlkopfentzündung.

Ursachen

Die häufigsten Erreger sind Grippeviren, Streptococcus pneumoniae oder -hämolysierende Streptokokken. Die akute Laryngitis tritt häufig bei einem Infekt der oberen Luftwege auf, z. B. bei einer Rhinitis, → akuten Sinusitis, → akuten Pharyngitis oder Tracheobronchitis.
Ungünstige Umgebungsbedingungen (trockene Luft, Staub, Zigarettenrauch) sowie Überbelastung der Stimme können die akute Laryngitis auslösen.

Symptome

Es kommt zur Dysphonie (Stimmstörung) bis hin zur Aphonie (Stimmlosigkeit). Daneben klagt der Betroffene über Schmerzen im Bereich des Kehlkopfes, Schluckbe- schwerden, Reizhusten, Kratzen im Hals und gelegentlich Fieber.

Diagnose

Der HNO-Arzt untersucht die Stimmbänder entweder in- direkt mit Hilfe eines Kehlkopfspiegels oder direkt mit dem Lupenlaryngoskop über die Mundhöhle. Ist dies nicht möglich, z.B. weil der Patient trotz der Oberflächenanäs- thesie einen ausgeprägten Würgereflex hat, kann man den Kehlkopf mit einem flexiblen Endoskop über die Nase und den Rachenraum einsehen (Abb.A.22). Die Stimmbänder sind gerötet, geschwollen und von zähem Schleim, Fibrinbelägen und evtl. eitrigem Sekret bedeckt.

Differenzialdiagnose

Jede länger als drei Wochen anhaltende Heiserkeit sollte HNO-ärztlich abgeklärt werden, um einen Stimmbandtumor auszuschließen.
Kehlkopf (Larynx). Endoskopisches Bild in der indirek- ten Laryngoskopie.

Therapie

Meistens reicht es aus, die Symptome zu behandeln. Da- bei ist es wichtig, dass der Patient seine Stimme schont, indem er nur wenig und leise spricht und nicht flüstert. Er sollte sich körperlich schonen, nicht rauchen sowie heiße, kalte und scharfe Speisen und Alkohol vermeiden. Unter- stützend kann er auf Empfehlung des Arztes mit milden Substanzen (Sole oder Salbei-Tee) inhalieren und Schleim- löser sowie ggf. Antitussiva (Hustenblocker) einnehmen.

Wenn Bakterien die Entzündung verursacht haben, ist ein Antibiotikum (z. B. Aminopenicillin) angezeigt. Ist die Stimme vermehrten Belastungen ausgesetzt, sodass immer wieder eine akute Laryngitis auftritt, kann eine logopädische Behandlung erfolgreich sein.

Prognose

Normalerweise heilt die Erkrankung innerhalb einiger Tage folgenlos aus. Wird die Stimme allerdings nicht ausreichend geschont, kann sich eine →chronische Laryngitis entwickeln, die langfristig eine verminderte stimmliche Belastbarkeit bedeuten kann.

akute Mastoiditis

DefinitionMastoiditis

Die Mastoiditis ist eine bakterielle Entzündung des Warzenfortsatzes des Schläfenbeins. Sie erscheint i.d.R. nach oder auch während einer Mittelohrentzündung (→ akute Otitis media) und gilt als ihre am häufigsten auftretende Komplikation.

Ursachen

Das Mastoid (Warzenfortsatz) ist ein hinter dem Ohr gelegener, von außen als Wulst tastbarer Teil des Schädelknochens. Er ist innerlich nicht aus solidem Knochen gebildet, sondern enthält viele kleine belüftete Hohlräume. Diese sind mit Schleimhaut ausgekleidet und stehen mit den Mittelohrstrukturen in Kontakt. Im Rahmen einer bakteriellen Mittelohrentzündung kann es zum Übergreifen der Entzündung auf das Mastoid kommen.

Begünstigt wird die Mastoiditis, wenn eine akute Mittelohrentzündung nicht oder nicht ausreichend lange behandelt wurde (z. B. Antibiotikaeinnahme wurde vorzeitig abgebrochen).

Symptome

Eine Mastoiditis kann während einer Mittelohrentzündung auftreten oder auch erst in deren Folge. Meistens ist eine akute Mittelohrentzündung bereits im Abklingen und nach 1–3 Wochen nehmen die Beschwerden plötzlich wieder zu. Die Ohrenschmerzen werden erneut stärker, das Fieber steigt an und das Hörvermögen verschlech- tert sich. Weitere typische Symptome sind eine druckschmerzhafte Schwellung und Rötung hinter dem Ohr, evtl. mit abstehender Ohrmuschel, Anstieg der Entzündungsparameter im Blut (Leukozytose, CRP und BSG-Anstieg) und erhöhte Körpertemperatur.

Diagnose

Nach der Anamnese erfolgt die HNO-ärztliche Untersuchung. Bei der Inspektion des Ohres mit dem Ohrmikros- kop findet sich meist ein auffälliger Trommelfellbefund. Das Trommelfell erscheint verdickt, intransparent, gelegentlich vorgewölbt. Es kann aber genauso auch eine Trommelfellperforation mit Ohrsekretion vorliegen. Bei den Hörprüfungen findet sich eine Schallleitungsschwer. Die Röntgenaufnahme (nach Schüller) zeigt eine Verschattung des Warzenfortsatzes und verwaschene Zellsepten.

Komplikationen der Mastoiditis. Abszesse können sich unter der Haut (subperiostaler Abszess), in der Muskulatur (Bezold- Abszess) oder intrakraniell bilden. Die Infektion kann auch zu einer Meningitis oder zu einer septischen Thrombose des Sinus sigmoideus füh- ren.

Differenzialdiagnose

Als Differenzialdiagnose gelten die Mittelohrentzündung oder die Gehörgangsentzündung mit angeschwollenen Lymphknoten.

Therapie

Die Behandlung erfolgt fast immer stationär. Nur wenn die Krankheitszeichen noch gering ausgeprägt sind, kann eine hochdosierte intravenöse Antibiotikatherapie in Kombina- tion mit einem Trommelfellschnitt (Parazentese) erfolgreich sein. Besser ist aber die Operation in Kombination mit der Antibiotikatherapie. Hierbei werden die von der Entzündung betroffenen Anteile des Warzenfortsatzes entfernt.

Prognose

Bei erfolgreicher Operation heilt die Erkrankung ohne Folgen (Hörverlust) aus.

akuter Lärmschaden

Definition

Lärmschäden sind Schädigungen des Innen- und/oder Mittelohrs, die durch akute oder chronische Einwirkung von akustischer Energie (Schall) bestimmter Art, Stärke und Dauer entstehen.

Synonyme: akutes Lärmtrauma, akustisches Trauma.

Ursachen

Bei dem akuten Lärmschaden sind die Haarzellen im Innenohr entweder durch eine direkte mechanische Zerstörung oder über Stoffwechsel- oder Durchblutungsstörungen geschädigt. Sind die Schädigungen zu intensiv oder von zu langer Dauer, sterben die Zellen ab. Je nach Art und Intensität werden unterschiedliche Krankheitsbilder unterschieden:

Knalltrauma. Schallwellen wirken mit einer Stärke (Intensität) von mehr als 150 Dezibel (dB) und über eine kurze Zeit (1,5 ms) ein- oder mehrmalig ein. Das ist häufig bei Schusswaffen (auch Schreckschusswaffen), Spielzeugpistolen oder Knallkörpern der Fall. Dabei werden besonders die Haarzellen des Innenohres geschädigt, die für die Aufnahme der hohen Frequenzen zuständig sind. Der schallleitende Apparat, die Mittelohrstrukturen, bleibt intakt. Evtl. entsteht ein Ohrgeräusch (→ Tinnitus).

Explosionstrauma. Es wirkt eine Schalldruckwelle von mehr als 150 dB Stärke und einer Dauer von 3 ms. Dabei wird nicht nur das Innenohr geschädigt, sondern auch das Trommelfell, die runde Fenstermembran (Barriere zwischen Mittel- und Innenohr) oder die Gehörknöchelchenkette können verletzt werden. Ursachen können Explosionen, platzende Kessel oder Fahrzeugreifen sowie Bombendetonationen sein.

Akutes Lärmtrauma. Dieses Trauma entsteht durch Schallpegel von 130 – 160 dB, die einige Minuten bis Stunden anhalten. Auch hier wird, wie beim Knalltrauma, nur das Innenohr geschädigt, der schallleitende Apparat bleibt intakt. Die Hörstörung betrifft i.d.R. eher den Hochtonbereich, der Betroffene kann jedoch auch ertauben. Mögliche Ursachen sind Konzert- oder Diskothekenbesuche, Hören mit Kopfhörern, startende Flugzeuge oder sogar lautes Kinderspielzeug.

Lärmschaden. Ein startendes Flugzeug kann ein akutes Lärmtrauma hervorrufen.

Symptome

Die Symptome sind unabhängig von der Ursache eine Hörminderung und evtl. Ohrgeräusche (→ Tinnitus). Es kann sich ebenfalls ein Druckgefühl in Kopf und Ohren einstellen.

Diagnose

Mit einer ohrmikroskopischen Untersuchung wird das Trommelfell beurteilt. Zusätzlich kann mit der Tonaudiometrie eine Schallleitungs- und Knochenleitungskurve erstellt werden. Gegebenenfalls werden Schäden des Innenohrs durch die Messung otoakustischer Emissionen nachgewiesen.

Therapie

Die Behandlung besteht in einer durchblutungsfördern- den Infusionstherapie wie beim → Hörsturz. In schweren Fällen wird zusätzlich eine hyperbare Sauerstofftherapie (HbO) durchgeführt. Bei totalem Hörverlust, Verdacht auf Ruptur des runden Fensters oder zur Revision einer Trommelfellverletzung ist zusätzlich eine operative Therapie indiziert.

Prognose

Bei raschem Therapiebeginn und/oder leichtem Innenohrschaden heilt die Schädigung häufig komplett aus. Bei höhergradigen Schäden und Ohrgeräuschen kann das Hörvermögen dauerhaft beeinträchtigt sein.

chron. Pharyngitis

Definition

Bei der chronischen Pharyngitis (Rachenentzündung) handelt es sich um einen andauernden Reizzustand der Rachenschleimhaut.

Ursachen

Begünstigt wird die chronische Pharyngitis, wenn die Atemluft mit Staub, Zigarettenrauch, Chemikalien oder Reizgasen belastet ist. Auch ständiger Alkoholkonsum kann eine Rolle spielen. Eine weitere häufige Ursache ist die vermehrte Mundatmung. Diese kann durch eine verkrümmte Nasenscheidewand, eine Nasennebenhöhlenentzündung oder einen allergischen Schnupfen (z. B. Hausstaubmilben-Allergie) bedingt sein. Die Nase reinigt und befeuchtet die Atemluft. Diese Aufgabe kann sie nicht erfüllen, wenn die Nasenatmung behindert ist, was wiederum zur Austrocknung der Rachenschleimhaut führt.

Symptome

Typische Beschwerden einer chronischen Pharyngitis sind ein ständig trockener Hals und vermehrtes Absondern von zähem Schleim. Auch ein Kloßgefühl im Hals und zwanghaftes ständiges Räuspern werden häufig angegeben.

Diagnose

Wichtige Hinweise ergeben sich aus der Krankengeschichte (berufliche Staubbelastung, Allergien, vermehrte Mundatmung). Bei der Untersuchung findet man eine Schleimhautrötung, gelegentlich eine Schwellung und Auflagerungen von zähem Schleim.

Nase und Nasennebenhöhlen sollen in die Untersuchung mit einbezogen werden. Evtl. können eine Röntgenaufnahme oder eine Ultraschalluntersuchung der Nasennebenhöhlen zum Ausschluss einer Sinusitis (→ akute Sinusitis, → chronische Sinusitis) und eine Allergietestung richtungweisend sein.

Differenzialdiagnose

Eine chronische → Mandelentzündung sowie andere spezifische oder unspezifische Entzündungen sollten ausgeschlossen werden.

Chronische Pharyngitis. Bei der Spiegeluntersuchung findet sich eine gerötete, „granulierte“ Rachenschleimhaut.

Therapie

Falls möglich sollte zunächst die Ursache der Störung beseitigt werden. Die Beschwerden können gelindert werden, indem die Schleimhäute durch Inhalationen mit Emser Salz oder Salbei-Tee angefeuchtet werden. Das Lutschen von salzhaltigen Pastillen befeuchtet ebenfalls die Schleimhaut und regt den Speichelfluss an.

Auf ausreichende Raumluftfeuchtigkeit besonders in den Wintermonaten ist zu achten. Ist die Nasenatmung behindert, kann ein operativer Eingriff an der Nasenscheidewand indiziert sein.

Prognose

Wenn keine direkte Ursache der Rachenentzündung zu ermitteln ist und die Beschwerden bereits lange Zeit bestehen, ist die Aussicht auf eine Heilung gering. Eine dauerhafte symptomatische Behandlung kann dann die Beschwerden zumindest etwas lindern.

chronische Laryngitis (Kehlkopfentzündung)

DefinitionChronischeLaryngitis

Bei der chronischen Laryngitis handelt es sich um eine langwierige Entzündung des Kehlkopfs.

Ursachen

Häufige Ursachen für die chronische Laryngitis sind erhöhter Nikotinkonsum, durch chemische Dämpfe oder Staub verunreinigte Atemluft, ständige Mundatmung, übermäßige Beanspruchung der Stimme, falsche Stimmtechnik, nicht ausreichend behandelte akute Infektion des Kehlkopfs (insbesondere, wenn die Stimme nicht ausreichend geschont wurde), chronische Sinusitis mit vermehrter Sekretion, gastroösophageale → Refluxkrankheit (durch einen gestörten Magenverschluss tritt Magensaft über und reizt Speiseröhre und Kehlkopf, die sich entzünden).

Symptome

Die Patienten berichten über Heiserkeit, verminderte stimmliche Belastbarkeit, Husten, Räuspern und/oder ein Fremdkörpergefühl im Hals.

Diagnose

Der Kehlkopf wird entweder indirekt mit einem Spiegelchen über die Mundhöhle, mit einem sog. Lupenlaryngoskop oder mit einer dünnen, schlauchartigen flexiblen Optik über die Nase untersucht. In den meisten Fällen einer chronischen Erkrankung liegt eine hyperplastische Laryngitis mit einem Schleimhautödem vor. Hierbei ist die Schleimhaut stark verdickt und es wird vermehrt Gewebswasser eingelagert. Eventuell finden sich weißliche Auflagerungen (sog. Leukoplakien).

Differenzialdiagnose

Bei hyperplastischen und leukoplakischen Stimmlippenarealen ist eine Mikrolaryngoskopie mit (Exzisions-)Biopsie zum Ausschluss eines Malignoms erforderlich.

Therapie

Die Therapie ist oft langwierig und unbefriedigend. Wesentlich ist, dass exogene Noxen, wie Rauch, trockene Luft und Luftverunreinigungen, und eine mögliche Überbeanspruchung der Stimme vermieden werden. Bei falscher Stimmtechnik sollte eine logopädische, also sprachtherapeutische Behandlung erfolgen. Ist eine gastroösophageale → Refluxkrankheit die Ursache für die chronische Laryngitis muss sie entsprechend therapiert werden. Bei behinderter Nasenatmung oder → chronischer Sinusitis kann ein operativer Eingriff an der Nase sinnvoll sein.

Prognose

Der Verlauf ist abhängig von der Ursache der chronischen Laryngitis. Rezidive treten häufig auf. Bei einer über einen längeren Zeitraum persistierenden Erkrankung kann es zu Schleimhautveränderungen (Leukoplakien, Polypen) kommen, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines bösartigen Tumors darstellen und deswegen operativ abgetragen werden sollten.

chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlen-Entzündung)

DefinitionChronischeSinusitis

Bei der Sinusitis ist die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen entzündet. Man unterscheidet die akute von einer chronischen Form. Von einer chronischen Sinusitis spricht man, wenn die Symptomatik länger als 8 Wochen anhält oder wenn mehr als 4 Episoden im Jahr auftreten. Bei Kindern gilt: Symptomatik über 12 Wochen oder mehr als 6 Episoden im Jahr.

Synonym: chronische Nasennebenhöhlen-Entzündung.

Ursachen

Die Nasennebenhöhlen sind Hohlräume im Schädelknochen, die normalerweise Luft enthalten. Die Belüftung erfolgt über mit Schleimhaut ausgekleidete, knöcherne Kanäle von der Nasenhaupthöhle aus. Verschiedene Faktoren können zu Belüftungsstörungen, Abflussbehinderungen und Sekretstau führen und begünstigen die Entstehung einer chronischen Sinusitis: allergische Schleimhautschwellungen, anatomische Engstellen (z. B. Nasenscheidewand, größerte Nasenmuscheln), Verschluss der Nasennebenhöhlen durch Polypen, → Adenoide Vegetationen (bei Kindern).

Symptome

Zu den typischen Beschwerden einer chronischen Sinusitis gehören Nasenatmungsbehinderung, Kopfschmerzen, vermehrte Infektanfälligkeit und gestörter Geruchssinn. Häufig kommt es zu einer vermehrten Nasensekretion, v. a. nach hinten in Richtung Rachen. Husten, Auswurf und Atembeschwerden sind Zeichen dafür, dass die Sinusitis auf die Lunge und Bronchien übergreift.

Diagnose

Der HNO-Arzt untersucht das Naseninnere mittels einer Nasenspiegelung (Rhinoskopie) oder Endoskopie. Typische Zeichen für eine chronische Sinusitis sind Schleimhautschwellungen oder Polypen v. a. im sog. mittleren Nasengang. Mit einer Ultraschalluntersuchung, Röntgenaufnahme bzw. Computertomografie der Nebenhöhlen können Verschattungen festgestellt werden. Ein Allergietest ist sinnvoll.

Differenzialdiagnose

Bei einseitiger chronischer Sinusitis muss ein Malignom ausgeschlossen werden.

Therapie

Zunächst sollte je nach Ursache der Erkrankung ein konservativer Therapieversuch mit abschwellendem Nasenspray (nur über kurze Zeit!) und/oder eine antibiotische Therapie durchgeführt werden. Inhalationen mit Sole-Lösung oder Salbei- oder Kamille-Dämpfen, Salzwasserspülungen können ebenso helfen. Bei bekannten Allergien sollte die antiallergische Therapie intensiviert werden. Ziel der meist endoskopisch, mikrochirurgisch durchgeführten Operation ist es, Engstellen zu beseitigen und so die Drainage und Belüftung der Nasennebenhöhlen zu verbessern.

Prognose

Gelingt es, die Belüftung der Nebenhöhlen wieder herzustellen, kann sich die chronisch erkrankte Schleimhaut regenerieren. Nach Eingriffen an den Nasennebenhöhlen ist eine konsequente fachärztliche Nachbehandlung genauso wichtig für den Erfolg wie die Operation selbst.

Gehörlosigkeit

Definition

Von Gehörlosigkeit spricht man, wenn das Hörvermögen so weit geschädigt ist, dass der Betroffene trotz Hörhilfen nur kaum verwertbare Höreindrücke wahrnimmt. Ob- wohl allgemein auch von Taubheit gesprochen wird, verfügen die meisten Gehörlosen doch über ein gewisses Rest-Hörvermögen. Eine scharfe Abgrenzung zur Schwerhörigkeit ist nicht möglich.

Für die sprachliche und geistige Entwicklung ist der Zeitpunkt des Eintretens der Hörschädigung von großer Wichtigkeit. Man spricht von Spätertaubung, wenn die Schädigung des Gehörs nach der Sprachentwicklung auftritt (ca. ab dem 3. Lebensjahr).

Ursachen

Angeborene Hörschäden können durch bestimmte Erkrankungen während der Schwangerschaft (z. B. → Röteln Embryopathie) verursacht sein. Sie können vererbt sein (meist autosomal-rezessiv) oder im Rahmen von Fehlbildungssyndromen auftreten.

Erworbene Hörstörungen können als Folge von z.B. → Meningitis, → Scharlach, → Masern, → Tuberkulose, Mittelohr-Erkrankungen, Otosklerose oder Verletzungen auftreten.

Symptome

Besteht eine Gehörlosigkeit von Geburt an, so ist die gesamte körperliche, geistige, seelische und soziale Entwicklung durch die Sinnesschädigung beeinflusst. Die Diagnose wird in Deutschland durchschnittlich erst im Alter von über 2 Jahren gestellt, weil die Kinder dann durch eine ausbleibende Sprachentwicklung auffallen.

Diagnose

Anzustreben ist eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung innerhalb der ersten 6 Lebensmonate. Es existieren objektive Untersuchungsverfahren, die bereits unmittelbar nach der Geburt zuverlässige Hörtestergebnisse liefern. Das momentan am häufigsten angewandte Testverfahren ist die Messung der otoakustischen Emissionen. Allerdings werden die Kosten für diese Untersuchung als universelles Hörscreening momentan noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei Erwachsenen bzw. Spätertaubten werden vom HNO-Arzt die üblichen Hörtests (Tonaudiometrie) durchgeführt.

Therapie

Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto eher wird den Betroffenen eine normale Entwicklung ermöglicht. So können bereits in den ersten Lebensmonaten Hörgeräte angepasst werden.

Cochlea Implant (CI). Beim Kochlea-Implant handelt es sich um eine Art elektronische Hörprothese, welche die Funktion des ausgefallenen Innenohres übernimmt. In die Cochlea (Schnecke) des Ohres wird operativ ein Elektrodendraht eingesetzt, der elektronisch aufgearbeitete Signale direkt an den Hörnerv abgibt. Vorraussetzung für solch eine Operation ist eine intakte Hörbahn. Bei Kindern ist etwa ab der Vollendung des ersten Lebensjahres ein Cochlea Implant möglich. Das mit einem CI erzielbare Hören entspricht zwar nicht dem natürlichen, aber den Kindern ist dadurch eine schulische und berufliche Entwicklung möglich, die mit der von schwerhörigen Kindern vergleichbar ist.

Prognose

Die Prognose ist abhängig: vom Zeitpunkt, an dem der Hörschaden erkannt wird, von der sofortigen Versorgung mit Hörhilfen, vom frühen Beginn sowie von der Art und Häufigkeit der Fördermaßnahmen.

Glossitis (Zungenbrennen)

Definition

Die Glossitis ist eine entzündliche Veränderung der Zungenschleimhaut. Häufig tritt sie in Verbindung mit internistischen oder neurologischen Grunderkrankungen auf.

Ursachen

In Frage kommen lokale Ursachen, z.B. bakterielle Infektionen oder Pilzinfektionen, Traumata (durch scharfe Zahnkanten, Prothesen), chemische Reizungen (Nikotin, scharf gewürzte Speisen), Allergien (Zahnfüllungen, Prothesenmaterial, Lebensmittel) und Medikamentennebenwirkungen.

Aber auch internistische Erkrankungen wie Vitamin- mangelerkrankungen (Vitamin A-, B-, C-Mangel, perniziöse → Anämie und Eisenmangelanämie), → Diabetes mellitus oder ein Sjögren-Syndrom sind möglich.

Symptome

Typische Symptome sind Zungenbrennen und Schmerzen, v. a. an der Zungenspitze und den Rändern.

Ebenso können Geschmacksstörungen und Missempfindungen auftreten.

Diagnose

Zur Diagnosestellung wird die Mundschleimhaut untersucht. Geachtet werden muss auf lokale Entzündungszeichen, z.B. Rötung, Schwellung, Veränderungen an der Schleimhautoberfläche, Beläge. Evtl. wird auch eine Abstrichuntersuchung vorgenommen, um eine Pilzinfektion auszuschließen. Eine Allergietestung kann eine Nahrungsmittel-Allergie ausschließen.

Oftmals findet sich lokal kein auffälliger Befund. Dann ist eine interdisziplinäre Abklärung erforderlich: Der Zahnarzt beurteilt den Zahnstatus, ggf. wird eine Zahnprothese auf scharfe Kanten untersucht.

Der Hausarzt führt Blutuntersuchungen durch, um internistische Grunderkrankungen auszuschließen. Evtl. werden mögliche neurologische und psychosomatische Ursachen mit abgeklärt.

Differenzialdiagnose

Harmlose, nicht behandlungsbedürftige Veränderungen der Zunge sind die schwarze Haarzunge und die Glossitis mediana rhombica. Die Glossitis mediana rhombica ist eine angeborene Veränderung. Sie zeigt im hinteren Anteil der Zungenmitte ein erhabenes, klar abgrenzbares, gerötetes oder weißliches Areal.

Nicht selten tritt Zungenbrennen als Symptom im Rahmen einer depressiven Erkrankung auf.

Therapie

Die Behandlung sollte sich nach der Ursache richten. Wenn keine feststellbar ist, dann erfolgt eine symptomatische Therapie, z.B. Mundspülungen mit Bepanthen-Lösung, Kamille oder Salbei. Scharf gewürzte Speisen, Alkohol und Nikotin sollten gemieden werden.

Prognose

Bei symptomatischer Therapie ist der Erfolg oft unbefriedigend.

Hörsturz

Definition

Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender, meist einseitiger Hörverlust. Der Ort der Störung ist das Innenohr.

Ursachen

Hörsturz

Die genaue Ursache für einen Hörsturz bleibt im Einzellfall meist ungeklärt. Am häufigsten ist die Durchblutung des Innenohrs gestört.

Risikofaktoren

Als Risikofaktoren gelten erhöhter Cholesterinspiegel, → Hypertonie und übermäßiger Nikotingenuss. Auch Kreislaufstörungen wie starke Blutdruckschwankungen und Herzerkrankungen können eine Minderdurchblutung der Haarzellen im Ohr bewirken. Aber auch bestimmte Virusinfektionen können das Innenohr schädigen. Darüber hinaus wird ein Zusammenhang zwischen Stress und dem Auftreten von Hörstürzen beobachtet.

Symptome

Die Betroffenen klagen über eine meist einseitige, plötzliche Hörminderung bis hin zur Ertaubung. Gelegentlich kündigt sich der Hörsturz vorher durch ein „Wattegefühl“ oder Schwindelbeschwerden an. Häufig tritt zusätzlich ein hoch frequentes Ohrgeräusch auf.

Diagnose

Der Befund der ohrmikroskopischen Untersuchung ist meist unauffällig. Um das Ausmaß der Hörstörung festzustellen, werden Hörprüfungen wie Stimmgabeltest, Tonschwellenaudiometrie, Sprachaudiometrie und Impedanzmessung durchgeführt. Es erfolgen Laboruntersuchungen mit kleinem Blutbild, Bestimmung des Hb-Wertes, Hämatokrit und bei Verdacht auf eine Virusinfektion eine serologische Untersuchung durch den Hausarzt.

Nach dem Abschluss der Akutbehandlung sollten weitergehende otoneurologische Untersuchungen durchgeführt werden. Diese beinhalten die Messung der otoakustischen Emissionen, eine Hirnstammaudiometrie und eine Gleichgewichtsuntersuchung. Diese Untersuchungen dienen dem Ausschluss anderer Ursachen für die Hörstörung. In einzelnen Fällen erfolgt eine Magnetresonanztomografie des Schädels.

Differenzialdiagnose

Andere Ursachen für einen plötzlichen Hörverlust sind: Cerumen obturans (Ohrenschmalzpfropfen), Entzündungen (Zoster oticus, →akute Otitis media, → Mumps, → Meningitis, → Enzephalitis), → Hirninfarkt, → Multiple Sklerose, Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (Antibiotika, Chemotherapeutika), → Tumoren (Akustikusneurinom).

Therapie

Der Hörsturz wir heutzutage nicht mehr als ein Notfall angesehen, dennoch sollte die Behandlung möglichst frühzeitig erfolgen. Die Standardtherapie ist eine durchblutungsfördernde Therapie. Diese erfolgt in Tablettenform oder als Infusionsbehandlung. Hierbei erhält der Patient über eine Vene einmal pro Tag Medikamente, die das Blut verdünnen und die Fließeigenschaften verbessern.

Zusätzlich werden häufig Medikamente gegeben, die die Blutgefäße erweitern und auf diese Weise den Blutfluss erhöhen. Bei Verdacht auf eine virale Infektion wird zusätzlich Kortison verabreicht, das eine entzündungshemmende Wirkung hat. Es existieren noch eine Reihe weitere Therapien, deren Wirksamkeit aber teilweise umstritten ist.

Prognose

Je früher ein Hörsturz erkannt und somit behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. In vielen Fällen bessert sich ein Hörsturz zwar auch ohne Behandlung innerhalb von wenigen Stunden bis mehreren Wochen, eine durchblutungsfördernde Infusionstherapie scheint die Heilungschancen aber zu verbessern. Leider konnte dies jedoch in wissenschaftlichen Studien noch nicht eindeutig bewiesen werden, weshalb die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung nicht übernehmen.